Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 33. für das Schlujahr 1909-1910 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2 Vorwort. Bericht Moses Nachmani in einem Sendschreiben an die französischen Rabbiner. Fast genau 600 Jahre nach Benjamin von Tadela — im Jahre 1763 — kömmt der berühmte Reisende Carsten N i eb u hr nach Jemen und er veröffentlicht nachher wichtige Beobachtungen und Notizen über die Juden des Landes. Die Berichte Niebuhrs sowie späterer Reisender werden von Carl R i 11 e r im zwölften Teile seiner Erdkunde verarbeitet und so zum Gemeingute der Wissenschaft. Aus der langen Periode vom 13. bis zum 18. Jahrhundert bringt das jüngst in englischer Übersetzung erschienene Werk eines arabischen Chro ־ nisten einige charakteristische Daten über die Juden Jemens., Es ist dies E1-K h az r a gi s Geschichte der; Resuli-Dynastie von Jemen, übersetzt von Redhouse ,drei Bände, Leiden 1906—1907).1) ■ 1j Aus dem Jahre 1240 berichtet der Chronist einen Fall, der von dem fanatischen Hasse der muslimischen Theologen gegen die- Bekenner des Judentums Zeugnis ablegt: Ein Fakih bemerkte im Gefolge des Sultans einen jüdischen Arzt, auf einer Mauleselin reitend und von sieben Sklaven begleitet. Er stürzt sich auf den Arzt, reißt ihn von seinem Reittiere herab, wirft ihn zu Boden und bearbeitet ihn schonungslos mit seinem zu diesem Zwecke ausgezogenen Schuhe, dabei fortwährend ausrufend: O, du Feind Gottes und Feind seines Propheten! Als der Arzt sich über diese Behandlung beim Sultan beklagte und dieser den Fakih (er hieß Muhammed aus Marab) zur Rede stellen ließ, äußerte der letztere vor dem Abgesandten des Sultan seine Entrüstung über die einem Juden zu Teil gewordenen Ehren; es sei gesetzlich nicht erlaubt, daß Juden auf Mauleseln reiten und sich eines Sattels bedienen, ebensowenig daß sie sich eines höheren Ranges erfreuen als die Muslims. Der jüdische Arzt muß dann auf Befehl des Sultans sich persönlich zu seinem Beleidiger hinbegeben und sich von ihm darüber belehren lassen, welchen demütigenden Beschränkungen er als Jude unterworfen sei (I, 106). ־— Anderthalb Jahrhunderte später finden sich folgende Fälle als merkwürdige Ereignisse verzeichnet: Im Jahre 1391 wurde in Taizz (der Stadt, von welcher unten die Rede sein wird) ein Jude unter der Anklage, ein Zauberer zu sein, festgenommen und auch dessen bezichtigt wurde, sich durch seine Magie den Anschein eines Muslim gegeben zu haben (vgl. Jakob Saphir, אגרת תימן השנית Wilna 1873, S. 47, über die Herrschaft des Zauberglaubens bei den Juden Jemens). Er wurde mit Blendung der Augen und dem Abhauen einer Hand bestraft (II, 197),