Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1905-01-01 · 28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905) · page 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 319)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3122061-3122100--4871-3125745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 Seelenstimmung der das religiöse Leben leitenden Kreise zeugen. Er unterscheidet auf der ganzen Linie die bloss individuelle Neigung und Stimmung von der allgemeine Gültigkeit beanspruchenden Lehre, deren historische Ausgestaltung er mit der Äenderung der politischen und gesellschaftlichen Lage und im Zusammenhänge damit mit der Äenderung der Zwecke der Religionsübung in Verbindung bringt. Auf dieser Basis kennzeichnet er das Verhältnis der bekannten religiösen Kreise und Parteien zur Frage des Asketismus. Dabei gibt er jedoch kein klares Bild von der Stellung des Pharisäismus, obgleich er ihn weitläufig behandelt. Bald räumt er ihm in der Vorbereitung des Asketismus eiiie hervorragende Stelle ein, bald begründet er jedoch auf ihm die antia&ketische Richtung. Ueber die letztere trägt er einen grossen Zitatenschatz zusammen. Die charakteristischeste Tatsache lässt er jedoch ausser Beachtung; nämlich jenen schrifterklärenden Satz, der den Nasir geradezu zum Sünder stempelt, weil er sich mit seinem Gelübde den Genuss des Weines verboten hat. Er berührt wohl, entwickelt jedoch nicht klar den Unterschied, welcher bezüglich der jüdisch-theologischen Betrachtung zwischen den gesetzlich bestimmten Enthaltungen und dem Asketismus besteht. Und eben dies wäre doch das Ausschlaggebende. Mit der nötigen Orientirtheit liefert er auch aus der Literatur des hellenistischen Judentums die die Frage des Asketismus betreffenden Resultate (S. 92■—120). Es versteht sieh von selbst, dass Philo hier eine hervorragende Stelle einnimmt. Der Verfasser hat sich in der neuesten Philo-Literatur fleissig umgesehen und stellt in befriedigender Weise in den Vordergründ einige ausschlaggebende Aeusserungen, welche die Lehre des alexandrinischen Religionsphilosöphen über die asketische Lebensweise charakterisiren. Die »De vita contemplatiya« betitelte Schrift hält er für eine echte Schrift Philos’, deshalb konnte er auch aus der Gharakterisirung des Bundes der Therapeuten bezüglich des Zurgeltunggelangens des früheren Asketismus historische Daten schöpfen. 1 Sehr gelungen ist das Kapitel (S. 149—160), in welchem er vom Standpunkte der herrschenden Askese dem Rabbinismus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.