Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 320)
- Language
- German
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4 11 das. karaitische Judentum gegenüberstellt und den Grund für die in dem letzteren überwiegende asketische Neigung angibt Dabei widmet er auch »dem Asketismus des Islams« ein besonderes Kapital (S. 14?—148), das ich in diesem Zusammenhange umsoweniger angebracht finden kann, als — was wir auch im Rahmen dieser Preisarbeit nicht wünschen können — der Verfasser für diese Frage nicht die genügenden Vorkenntnisse besitzt. Ich glaube, dieses Kapitel soll gleichsam als Einleitung zu dem letzten Teile dienen, in dem (S. 161—207) er endlich auf den »Asketismus bei den mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophen« eingeht. In diesem Kapitel begeht er den Fehler, dass er die einzelnen Philosophen, die zu verschiedenen, ja entgegengesetzten Schulen gehören, von Saadja bis zum Ende, in chronologischer Reihenfolge behandelt, als ob sie in entwicklungsgeschichtlichem Zusammenhänge zu einander stünden. Richtig hätte er sie nach Schulen gruppiren müssen. So hätte er besser den leitenden Faden gefunden, ohne den eine einheitlich zusammenhängende Darstellung nicht möglich ist. Einige, Einzelnheiten betreffende Irrtümer habe ich im Manuskripte bezeichnet. Im Vergleiche zu der in den früheren Kapiteln sich geltend machenden Weitschweifigkeit ist dieser wichtige Teil der Arbeit nicht erschöpfend genug. Uehrigens ist diese ohnehin ein Torso geblieben. Kaum dass der Verfasser mit Mäimonides begonnen hat, legt er schon die Feder nieder und verschiebt die Ergänzung dieser Lücke für die Zukunft. Infolge dessen kann ich die Arbeit nicht als abgerundete Lösung der gestellten Frage betrachten. Trotz meiner Ausstellungen verschliesse ich nicht das Auge vor den wertvollen Seiten der Arbeit. Wenn diese auch nicht vollständig dem mit der Frage beabsichtigten Zwecke entspricht, legt sie gleichwohl Zeugnis ab von dem Fleisse und dem eifrigen Streben des Verfassers. Dieser Fleiss ist in jedem Falle anerkennenswert, weshalb dem Verfasser dieser Arbeit als Anerkennung seines daraus klar zu Tage tretenden gewissenhaften Fleisses ein Fleisspreis zuzuerkennen ist.« . Ignaz Goldziher.