Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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16 Der hebräische Stil der Schriftensammlung. Zeitalter der mündlichen Überlieferung entwickelte sich überhaupt keine Literatur und in Briefen wurden die biblischen Zitate durch Liniierung oder Auspunktierung als solche kenntlich gemacht.1) Eine so hohe Verehrung des Bibelwortes liess einen Musivstil nicht aufkommen. Erst nachtalmudische Autoren, namentlich Sprachgelehrte und Dichter haben bewusst auf das Bibelwort zurückgegriffen und mit der Zeit einen gewissen Purismus ausgebildet. Das der Bibel entnommene Wort trug aber nicht nur die Marke des echt Hebräischeii an sich, sondern auch die Gloriole der heiligen Schrift um sich. Das Wort war nicht nur ein klassisches, sondern auch ein heiliges; es wirkte nicht nur ästhetisch, sondern auch religiös. In der Vorstellung des Autors und Lesers erschien die Nachbarschaft des gebrauchten Wortes oder Satzes, mithin ein Stück heilige Schrift mit seiner Lehre oder sonstigem Inhalte. Mit dem Worte wurde zugleich ein Stück Autorität der Bibel entlehnt. Poesie und Prosa hüllte sich in das anmutige Gewand der von Jung und Alt verehrten Bibel. Die Autorität des Talmuds war gleich nach seinem Ab- Schluss eine unbestrittene, die Verehrung seiner äusseren Hülle, seiner Form und seines Wortes begann indes erst in späteren Zeiten. Wortschatz und Redeweise der Talmudisten finden sich wohl bei ihren unmittelbaren Nachfolgern und Fortsetzern, aber nicht als Entlehnungen aus Talmudstellen, sondern als Elemente ihrer weiterlebenden Sprache. Wo und wann Worte und Formeln des Talmuds als bewusste Nachahmungen zum erstenmal auftreten, ist unseres Wissens noch nicht ermittelt und wir irren vielleicht nicht, wenn wir behaupten, dass die Frage nach der Entstehung des talmudischen Musivstüs überhaupt noch nicht gestellt worden und es fehlen bislang Forschungen über seine Entwicklungen. Gewiss aber ist, dass er zur Zeit unseres Autors schon in hoher Blüte stand. Sogar die verschiedenartigen Piecen der Liturgie hatten sich damals schon zum Range von Quellen- Schriften erhoben, mit deren Elementen die Schriftsteller ihren Stil schmückten. נ) Vgl. Blau, Althebräisches Buchwesen 144 ff.