Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Die Handschriften. 1 5 auch wegen ihrer Form, die uns über den hebräischen Privatstil jener Zeit belehrt. Einen Kanzleistil haben die Juden nicht ausgebildet, es fehlte ihnen.hiezu die — Kanzlei. Der Stil der Dokumente, wie ihn die Formularensammlungen und die veröffentlichten einschlägigen Urkunden zeigen, ist nicht als solcher zu betrachten. Doch hat es und gibt es in gewissem Masse auch heute noch'einen Privatstil des Hebräischen. Es besteht nämlich ein Unterschied zwischen dem Hebräisch eines Buches und eines Schreibebriefes, auch wenn beide von ein und demselben Manne geschrieben wurden; der Autor schreibt einen anderen Stil als der Privatmann. Ganz besonders gilt dies von alten Zeiten, in denen es noch »keine Leute von der Feder« gab, die schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen. Die oben erwähnte Briefsammlung Archevoltis ist ganz im Buchstil gehalten, sie ist ein literarisches Produkt in Briefform. Modenas Briefe, die wirklich geschrieben und nicht theoretisch komponiert wurden, zeigen den hebräischen Privatstil seiner Zeit. Sie entsprechen dem Geschmack seiner Zeitgenossen, sonst wäre ihr Autor nicht von allen Seiten in Anspruch genommen worden. Modena war ein anerkannter Meister des hebräischen Stils. Gebildete und Ungebildete, Juden und Christen wünschten von Leo Introduktionen und Dedikationen, Lobgediehte und Approbationen, Mahnbriefe und Empfehlungsschreiben. Heikle Fragen behandelte er mit grosser Geschicklichkeit, denn er besass hohe Bildung und feinen Takt. Doch will ich hier nicht auf die inhaltlich-sachliche, sondern auf die äusserlich-sprachliche Bedeutung der Briefe und Schriftstücke Modenas die Aufmerksamkeit gelenkt haben. Eine nähere Charakteristik geben wir im dritten Kapitel. II. Die Handschriften. Die Briefe und Schriftstücke Leo Modenas, die ich im zweiten Teile dieses Werkes zum erstenmal herausgebe, liegen handschriftlich im British Museum, wo sie in zwei Bänden