Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 25. für das Schlujahr 1901-1902 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 176)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3122061-3122088--4199-3125306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 Schreibvirtuosität. Von der Verbreitung der Schreibkunst in biblischer Zeit war schon die Rede; noch bei den Arabern galten die Juden als Schriftkundige1). Wer die Schrift kennt, heisst bei Jesaia (29, 1L 12): וך?ג ספר\ wer sie nicht kennt: אשלר ילא ידע ספד wie bei Plato ofousipos Ypa^dcT<*>v2). Dass es solche im talmudischen Zeitalter nicht wenige gab, bedarf keines Beweises; jedoch darf aus der Forderung, der Richter und der Gesetzeslehrer sollen des Schreibens kundig sein2b), nicht zuviel gefolgert werden, denn jeder konnte nach talmudischem Recht in Civilsachen zu Gericht sitzen und dem Gesetzesstudium widmeten sich viele erst im reifen Mannesalter, wie z. B. R. Akiba zu 40 Jahren. Die Schreibfertigen werden indess die berufsmässigen Schreiber gewesen sein, die oft das Amt des Kinderlehrers, Stadtnotars und Gesetzeslehrers in sich vereinigten. Wenn auch der Name libellarius (לבלר) oft erwähnt wird3), wird man doch nicht von einem ganzen Stand der Schreiber nach dem Muster der griechisch-römischen Welt reden dürfen4). Davon ihnen im letzten Kapitel noch gehandelt werden soll, wird es hier genügen, vermittels einiger Citate von der Schreib- Virtuosität ünd des Schreibunterrichtes ein Bild zu zeichnen. Es gab Schreibkünstler, die nicht nur mit der linken Hand, sondern auch mit dem Handrücken, mit dem Fusse, mit dem Munde und mit dem Ellbogen schreiben konnten5 6). Ben-Kamzar — blühte zur Zeit des Tempelbestandes — ג) Fraenkel, Die aramäischen Fremdwörter im Arabischen 244. 2) Apol. 26 bei Birt 434. 2b) Gittiu 66 b: בי דינא חדתא דלא ידעי מיהתם חתימות; vgl. auch Korinther I 6, 5. Chuiiin 9 a : ת״ח צריך שילמוד כתב. 3) Vgl. die Stellen bei Kräuss s. v. 4) j. Megilla 71 d unten wird die Schreiberfamilie Chagida erwähnt, die das Wort צבאית für keinen vollen Gottesnamen hielten und es nötigenfalls strichen : של בית חגירה כותבים אומנים היו בירושלים. 6) Sabbath 12, 35: הכותב שתי אותיות בין בימינו בין בשמאלו...בחב לאחר ידו ברגלו בפיו ומרפיקו וכתב על גבי כתב ... das letztere bedeutet: die Schrift erneuern, aujfrischen. Zu den letzteren Ausdrücken vgl. Sabb. 10, 3. Dass man während des Gehens schreiben konnte (Sabb. 80 a: הוצ״א ב׳ אותיות וכתבן כשהוא מהלך) ist nicht auffallend.