Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 25. für das Schlujahr 1901-1902 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 143)
- Language
- German
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Zeilenlänge der semitischen Inschriften. 135 herrscht — dass nach der Vorschrift Schrift mit leerem Raum abwechselt. Die erste und wichtigste Frage ist nun, was hat die Tradition veranlasst, eine solche ohne Analogie dastehende Schreibweise einzuführen? Die Antwort liegt auf der Hand: um die poetische Form dem Auge des Lesers sichtbar zu machen. Aus dieser Nothwendigkeit der graphischen Darstellung der poetischen Form wird jeder schliessen müssen, dass die Normalzeile des prosaischen Bu c h e s d er Länge der poetischen Zeile in der Regel gleichkam. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte die stichische Schreibweise zur Erreichung des vorgedachten Zweckes vollkommen genügt. Dem möglichen Einwande, die poetische Form wäre auch bei gleicher Zeilenlänge zu erkennen gewesen, weil die poetischen Zeilen variiren, d. h. um einige Buchstaben bald kürzer, bald länger sind, begegne ich mit der Bemerkung, dass im Alterthum, bevor die litterae dilatabiles אהלתם erfunden waren, auch die Prosazeilen nicht immer dieselbe Länge hatten. Sie konnten, wie die citirte Anweisung über das am Ende der Zeile zu schreibende fünfbuchstabige Wort lehrt (oben S. 118, Anm. 1), um einige Buchstaben variiren. Nach dieser Fixirung der Buchstabenzahl der Zeile wird man finden, dass bei kleiner Schrift eine Handbreite, die Soferim 2, 8 als Minimum angegeben wird1), zu ihrer Aufnahme viel zu gross ist. ' Ein weiteres Hilfsmittel für die Bestimmung der Zeilenlänge könnte in den semitischen Inschriften gesucht werden. In Betracht kommen natürlich nur grössere In- Schriften, wo die Frage der Zeilentheilung an den Verfasser und Graveur der Inschrift herantrat. Wohl hängt hier viel vom Material ab, auch der Fundort und die Entstehungszeit sind zu beachten, doch wird die Prüfung des vorhandenen Materials wenigstens Fingerzeige geben. Ich habe zu diesem Zwecke die bisher erschienenen 5 Bände ג) Citirt 126 n. 2.