Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 25. für das Schlujahr 1901-1902 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 142)
- Language
- German
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,184 Kolumnen nnd Ränder. hebräischen Poesie nachgeahmt war. Das hier gefundene Resultat bestätigen viele Psalmen und mehrere Kapitel der Sprüche. Diese Bücher zeigen, die poetische Zeile sei etwa um 3—4 Lettern kleiner als die der Handausgabe der Bibel. Z. B. Psalm LI8, 29 Verse, 26.5 Zeilen; Ps. 145, 21 V., 22 Z. Aus den Proverbien sind instruktiv c. 2, 9, 11, 14, 31 etc. In Threni ist das Verhältniss der Verse und Raumzeilen dasselbe. Der die kürzere Form zeigende 119. Psalm zählt 176 (22X8) Verse und 164 Zeilen. Wir können also feststellen, dass die Raum zeile der biblischen Schriften in der Regel mit der poetischen Zeile identisch war. Zur Grundlage unserer Berechnung haben wir absichtlich solche poetische Texte gewählt, deren Schreibweise in die religionsgesetzliche Diskussion nicht einbezogen wurde. Die in prosaischer Umgebung befindlichen poetischen Kapitel Exodus 15, Deut. 32, Richter 5 und II. Samuel 22 werden nach uralter Tradition אריח על גבי לבנה ולבנה על גבי אריח geschrieben1). Deutlich ist nur das Bild, dem diese Ausdrucksweise entnommen ist. Beim Bau verwendete man nämlich abwechselnd ganze und halbe Ziegel, damit die Mauer fest sei. Die Meinungen gehen nun auseinander, welche Schreibweise die Tradition gemeint habe. Wir gestehen, über diese Frage noch keine Klarheit gewonnen zu haben, können aber das Bedenken nicht unterdrücken, dass die von Norzi angenommene Schreibweise eine viel zu gekünstelte ist, als dass sie die ursprüngliche sein könnte. Talmudisten und Masoreten haben sich an die Vorschrift und nicht an die Handschriften gehalten, die Vorschrift öffnete aber in Folge ihrer bildlichen Ausdrucksweise Interpretationskünsten und Missverständnissen Thür und Thor. Doch wollen wir die Frage für jetzt auf sich beruhen lassen. Als sicher kann nur das eine angenommen werden — worüber thatsächlich keine Meinungsdifferenz 9 Vgl. hierüber weiter II 2.