Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 25. für das Schlujahr 1901-1902 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 129)
- Language
- German
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Kolumnenbreite. 121 auf zu beruhen scheint, dass in Einem Blatte in der Regel soviel Kolumnen enthalten waren. Man erlaubte also ein Blatt auf einmal zu öffnen, wodurch die Naht der einzelnen Blätter nicht gelockert werden konnte. Es giebt hiefür ganz merkwürdige ausserjüdische Analogien. Diese Gewohnheit war so tief eingewurzelt, dass sie auch auf die Blattseiten der gefalteten Bücher überging. Viele alte Handschriften haben auf jeder Seite drei Kolumnen. Die älteste datirte syrische Handschrift aus dem Jahre 411 hat 3 Kolumnen. S. Lucian hinterliess am Ende des 3. Jahrhunderts der Kirche zu Nikomedien eine Bibel YSYPalJLlJL®vov Tptcaat;1). Pergamentblätter waren, wie Wattenbach bemerkt, klein, so dass sie in der Regel mehr als drei Kolumnen nicht fassen konnten. Das Leder hingegen, worauf die Juden ihre Torarollen gewöhnlich schrieben, war breit genug, um 8 und ausnahmsweise auch 9 Kolumnen aufzunehmen. Vielleicht hängt die Maximal- und Minimalgrenze mit den beiden erlaubten Stoffarten zusammen. Die Anzahl der Kolumnen, die in Kodices hie und da verzeichnet werden2), ist in hebräischen Bibeln nie angegeben worden. Auch in der Masora, wohin alle auf die Bibel bezüglichen Angaben einmündeten, giebt es keine Spur ihrer Existenz. Feste Regeln haben sich also weder in Bezug auf die Breite noch iiv Bezug auf die Höhe der Kolumnen ausgebildet3). 1) Wattenbacli 181 f., ein Beleg־ auch aus Eusebius. Ygl. weiter unten 138 f über clie ältesten vorhandenen Bibelkodices. Mittelalterliche Kodices haben oft eine Kolumne Text und zwei Kolumnen Kommentar, zu beiden Seiten des Textes. Der Talmud wird bis auf den heutigen Tag so gedruckt. Dziatzko erwähnt (Pauly־W. III 963), dass im Alterthum Kommentar und Scholien zum Text auf den Rändern und Interkolumnen angebracht waren. In vielen noch vorhandenen Bibelhand- Schriften befindet sich die kleine Masora auf den Interkolumnen und Seitenrändern, die grosse Masora auf den oberen und unteren Rändern. Diese Schreibersitte mag schon zur Zeit des Talmuds aufgekommen sein. 2) Wattenbach 158. ף Deuter, r. c. 4 (218 a ob.): א״ר יצחק המגלה הזאת אין אדם יודע כמה ארכה וכמה רחבה כשהיא נפתחת היא מודעת כמה היא.