Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- XXIII. für das Schlujahr 1899/1900 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 230)
- Language
- German
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kämpfte er mit seinem Feuerwort, denn mit weitem und tiefem Blicke erkannte er des Judenthums Lage und Noth. Er fühlte den Pulsschlag des jüdischen Herzens, horte das leise Flüstern der jüdischen Volksseele: den Zionismus sah er vor zwei Jahrzehnten kommen. Das jüdische Volk, dieses Räthsel der Völkergeschichte, enthüllte seinen Augen seine Geheimnisse, und er kannte nicht nur seine Vergangenheit: er glaubte auch unerschütterlich an seine Zukunft. In’s Herz traf ihn der gegen uns wiedererwachende mittelalterliche Hass, glänzend gerüstet zog' er gegen ihn zu Felde. Mit Erfolg wehrte er die Angriffe ab, die gegen die jüdische Religion und Wissenschaft gerichtet wurden. Seine Streit- Schriften sind ruhig und vornehm, wirken nicht so sehr durch das Gewicht der Worte, als vielmehr durch die Kraft der Gründe. יש בופה כמדקרות חרב ולשון חכמים מרפא (Sprüche 12,18.) ״Manches Mannes Rede ist wie Schwertstiche, des Weisen Wort Heilung14. Nicht ärgern wollte er unsere Gegner, sondern überzeugen, und seine Weisheit vermochte ■mehr als Kriegsgeschütz. Auf ihn passt das schöne Wort שסהה לאיש במענה פיו ודבר בעתו מה טוב (Sprüche 15, 23). ״Freude hat der Mann an seines Mundes Antwort, ein Wort zur Zeit, wie ist es so schön.44 Er gab uns Rathschläge und verlieh uns Kraft zur Bekämpfung der inneren Treulosigkeit und der äusseren Feindschaft, denn auf ihm ruhte רוח עצה ״ וגבורהder Geist des Rathes und der Kraft.44 Und auf ihm ruhte ״der Geist der Gotteserkentnis und der Gottesfurcht.44 Die jüdische Litteratur ist die älteste, die jüdische Wissenschaft die jüngste. Die jüdische Wissen- Schaft, diese mächtige Schöpfung des modernen Judenthums, hat sich, getragen von der Begeisterung seiner Begründer und Liebhaber, in einem halben Jahrhunderte auf jene Höhe emporgeschwungen, die andere Wissenschaften, von Staat und Gesellschaft unterstützt, erst nach Jahrhunderten erreichten. Diese Wissenschaft besass in David Kaufmann, dem Meister des Worts und der Feder, einen würdigen Vertreter, der sie mehrte und entwickelte. Für die Emancipation dieser Wissenschaft trat er ein mit seinem blitzenden Worte, mit