Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- XXIII. für das Schlujahr 1899/1900 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 231)
- Language
- German
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14 seinen glänzenden Schöpfungen, mit seiner gelehrten Per• söhnlichkeit. Sein Geist und sein Herz waren erfüllt von dem Gedanken- und Wissenschatz, von der Gefühls* und Verstandes weit unseres Jahrhunders, all dies trat bei ihm in den Dienst der Wissenschaft des Judenthums. Er secirte das Judenthum nicht, wie der Arzt die Leiche, sondern pflegte es als das edelste Element seines eigenen Ich’s. Die dLitteratur unserer Religion und unseres Volkes war in seinen Augen nicht blos wissenschaftliches Material, wie etwa die Völker des Orients in den Augen europäischer Gelehrten, sondern ein mit Pietät bewahrter Schatz. Das Judenthum ist keine Summe von Kenntnissen, sondern ein Geist und Gemüth erfüllendes Gefühl, eine das ganze Leben beherrsehende und lenkende Weltanschauung. Gedanke und Gefühl, Herz und Geist flössen in einander bei unserem ausgezeichneten Manne. In den Fragen der Religion dachte er mit dem Herzen, er fühlte sich zu Jehuda Halevi, dem Dichter-Denker hingezogen, nicht zu den systematischen, aber kalten Philosphen. Er war ein tiefer Denker, ein kritischer Geist, ein unbefangener Forscher, aber auf dem Felde des Glaubens war sein Ideal der Elegiendichter, den ־er als religiöses Genie verehrte. Bei ihm ist zur Wahrheit geworden der Spruch des weisen Königs: כי ה' יתן חכמה מפיו דעת ותבונה־; (Sprüche 26) ״Gott giebt Weisheit, aus seinem Munde kommt Erkenntniss und Vernunft“, denn wahrlich David Kaufmann’s Weisheit und Wissen war göttlichen Ur- Sprungs, von Frömmigkeit gesättigt. Auf ihm ruhte רוח דעת ״ ויראת ה׳der Geist der Gotteserkenntniss und der Gottesfurcht. “ Geist und Begeisterung, Wissen und Bildung, jüdische Frömmigkeit und Liebe zum jüdischen Volke vereinigten sich in seltenem Masse und in schöner Harmonie in seiner Person. * * * Stumm ist der Mund, aus dem das Wort gleich Honig floss, still steht das Herz, das für das Judenthum geschlagen, starr ist die Hand, die unermüdlich die Feder