Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [22.] für das Schlujahr 1898-1899 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 103)
- Language
- German
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kann ferner ebensowenig durch sich selbst bestehen als eine oder viele sein, da dasjenige, dem kein Dasein zukommt, auch keine Anzahl und keine Einheit hat. Sie kann aber auch nicht die Trägerin der Verschiedenheiten sein, da diese zu den Accidenzen gehören, die Materie aber nicht Trägerin der Accidenzen sein kann, da diese nur dem ein vollkommenes Dasein besitzenden Seienden zukommen. Sie kann vielmehr nur die Trägerin der verschiedenen Dinge d. h. der verschiedenen Körper sein. Sie kann auch unmöglich jedem Dinge seine Definition und seinen Namen verleihen, da dies in Wahrheit die Form bewirkt. Es können von ihr überhaupt aber keine Proprietäten ausgesagt werden, da diese Accidenzen bilden, die nur dem bereits thatsächlich Daseienden eigen sind. Allein seine ganze Dar־ Stellung in der ״Lebensquelle“ ist von dieser Art“. So entschieden hier auch Ibn Daüd mit seinen Behauptungen auftritt, so werden wir doch keineswegs die Richtigkeit seiner Urtheile der Sicherheit dieses Tones entsprechen sehen. Abgesehen davon, dass Ibn Daüd selber, wenn ihm sogar der Grundirrthüm Ibn Gabirols zugegeben werden müsste, die Consequenzen nicht als besondere Fehler aufzuzählen, also nicht von sechs Irrthümern, sondern nur von Einem, aus dem sich die übrigen von selbst ergeben, zu sprechen ein Recht hatte, ist jedoch selbst, die Grundläge dieser ganzen Kritik noch zweifelhaft. Selbst auf dem Boden des strengen Aristotelismus, von dem aus wir Ibn Daüd die Angaben Ibn Gabirols bekämpfen sehen, darf der Materie, die wir uns denken müssen als vor allem Werden vorhanden, ein Sein zugeschrieben werden; als das schlechthin Nichtseiende hat auch der Stagirit die Materie nicht bezeichnet1). Ebenso verhält es sich mit dem zweiten Einwurf. Auch hier hat Ibn Gabirol den Aristoteles für sich, der zwar zugiebt, dass die Materie nicht eigentlich Substanz genannt werden könne, andererseits jedoch diesen Namen *) Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen II, 2 p. 236, 239 n. 5, 259 ff., Baeumker, Das Problem der Materie in der griechischen Phi־ losophie p. 213.