Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
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Zum Buche Hiob. 129 Gottes in 42, 7 keineswegs gebilligt. Vielmehr bezieht sich diese Billigung auf diejenigen Worte Hiobs (42, 5f.), mit denen er seine frühere Ansicht bereut und zu richtigerer Erkenntniss des göttlichen Wirkens gelangt zu sein bekennt1). Eliphas wiederholt in seinen Reden immer wieder die Ansicht, dass Hiob für begangene Sünden büsse (22, 5) und dass er trotz seiner sonstigen Frömmigkeit und seines tugendhaften Lebenswandels nicht vollkommen sein könne vor Gott (4, 18 f.). Bildad vertritt die Lehre von der Compensation: Hiobs gegenwärtiges Leiden werde durch künftiges Heil (8, 6 f.) gut gemacht werden. Nach Zophar ist es Gottes Wille, der das Schicksal des Menschen absolut bestimmt, ohne dass man nach Gründen dieses Willens forschen dürfte (11, 5—72). Elihu hüllt den neuen Gedanken, den er über die Frage äussert, in eine scheinbare Wiederholung dessen, was schon die drei Freunde Hiobs gesagt hatten, wie ja auch Hiob und seine Freunde sich gegenseitig wiederholen. Dadurch soll die Absicht erreicht werden, dass die specielle Meinung der Einzelnen für den gewöhnlichen Leser verhüllt werde und dieser den Eindruck gewinne, dass sie 1) M. erklärt 42, 5 nach Saadja’s Uebersetzung: קוד כנת אסמע בקדרתך כברא ואלאן פקד ראיתך נטר. Hiob hat bisher Gott nur auf Grund der Ueberlieferung (.כברא, תקלידא) erkannt, wie die grosse Menge der Keligionsbekenner (s. oben S. 127): Hiob war kein Forscher, weshalb er durch sein Missgeschick zu so irrigen Ansichten über Gottes Vorsehung gebracht worden sei; jetzt aber erkannte er Gott durch eigenes Nachdenken (בטריק אלנ&ר) mit wahrer Erkenntniss und wisse, dass die wahre Seligkeit in der Erkenntniss Gottes bestehe und durch keinerlei Missgeschick getrübt werden könne. Der folgende Vers (42, 6) ist nach M. so zu ergänzen : ״Daher verwerfe ich Alles, was ich sonst begehrte und bereue es, dass ich bisher in Staub und Asche war.“ ״Staub und Asche“ aber bedeutet, wie auch in 2, 8, allegorisch die materielle, vergängliche Natur. 2) M. constatirt dann, dass von den in III, 17 dargelegten Ansichten (oben S. 89) die im Judenthum anerkannte von Eliphas, die des Aristoteles von Hiob, die der Mu’taziliten von Bildad, die der Aseh’ariten von Zophar vertreten sei. Die Bibelexegese Maimünis. 9