Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 115)
- Language
- German
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100 Ha uptzweck der Gebote. die Einzelheiten der Gebote, welche nur in Pflichterfüllung und Gehorsam üben sollen, sagen die Weisen (Gen. r. c. 44): Die Gebote sind nur dazu gegeben worden, dass die Menschen durch sie geläutert werden. Die Gesammtheit der biblischen Gebote1) bezweckt das geistige und das leibliche Wohl des Menschen : jenes, indem sie ihn zur Erkenntniss des Wahren, zum richtigen Glauben hinleiten, ihn dadurch geistig vervollkommnen und der Un- Sterblichkeit würdig machen; das leibliche Wohl, indem sie die gesellschaftlichen Yerhältnisse der Menschen verbessern, die gegenseitige Ungerechtigkeit beseitigen und ihre Sitten veredeln. Beide Arten der Vervollkommnung sind als Zweck der göttlichen Gebote angegeben in Deut. 6, 24, wo mit לטוב לנו כל הימים auf die geistige Vervollkommnung und die dadurch erlangte ewige Seligkeit2), mit לחיותנו כהיום הזה auf das irdische Wohl, die Vervollkommnung der gesellschaftlichen Zustände hingewiesen wird3). Die Kenntniss der götzendienerischen Anschauungen und Gebräuche des Alterthums, wie sie in den Schriften der ״Sabier“4) dargestellt sind, sind von besonders grosser Wichtigkeit bei der Forschung nach den Gründen der Gebote; denn die Grundlage und die Axe unseres Religionsgesetzes ist die Vertilgung jener Anschaungen, s. Deut. 11, 16 und 29, 17, und die Vertilgung ihrer vorhandenen Spuren, s. Deut. 7, 5 und 12, 35). Einzelheiten zu begründen, würde nur Absurditäten mehren; er ist ebenso entfernt von der richtigen Anschauung, wie wer sich einbildet, das Gebot im Ganzen habe keinen Grund. ג) HI, 27. 2) Maimüni citirt dazu die traditionelle Deutung von Deut. 22, 7 b auf die kommende Welt. S. oben S. 96. 3) Eine ähnliche Anwendung von Deut. 6, 24 findet sich noch bei Joseph Ibn Zaddik, Mikrokosmos, S. 62: הנה בזד. הפסוק למי שיש לו דעת טובת שני עולמים. 4) Unter Sabiern versteht M. die Heiden des Alterthums überhaupt. 5) III. 29 Ende. Die Litteratur der S a b i e r und ihren Inhalt charakterisirt Maimüni in diesem und dem 30. Capitel (s. auch III, 37 Anf., über den Aberglauben). Die Wichtigkeit dieser Litteratur für die Erkenntniss der Gründe der Gebote betont M. auch im Send-