Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
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Das Wissen Gottes. 91 sittlichen Vollkommenheit und Unvollkommenheit, dem entsprechend sie der göttlichen Vorsehung nahekommen oder sich von ihr entfernen. Die letzteren sind wie Jemand,* der in Finsterniss wandelt, sie sind schutzlos allen Zufälligkeiten ausgesetzt1). Stellen, wie Ps. 84, 21, ib. V. 16, ib. 91, 15, in denen die göttliche Fürsorge für die Frommen gelehrt wird, sind zu zahlreich, als dass sie aufgezählt werden könnten. Obwohl es ein Axiom ist2), dass Gott alle Vollkommenheiten in sich vereinigt, also auch jede Art des Nicht- Wissens mit dem Begriffe Gottes unvereinbar ist, wurden manche Denker durch Thatsachen, welche das Geschick der menschlichen Individuen darbietet, zu der Annahme geführt, dass dem Wissen Gottes manche Dinge entzogen seien. Solche Beweisführung, die von dem Glücke der Frevler ausgieng und zur Annahme führte, dass es unnütz sei, beim Guten zu beharren und sich dadurch Drangsale zuzuziehen, wird auch in der heiligen Schrift erwähnt. Darüber tief nachdenkend, kamAsaph, Ps. 73, 11—13, 16—19, zu dem Ergebnisse, dass man die Dinge nach ihrem Ausgange, nicht nach ihrem Anfänge beurtheilen müsse. Ganz so äussert sich auch Maleachi, 3, 13—183). Und diese Meinung vom Nichtwissen Gottes um die irdischen Dinge ist es, welche David widerlegt in Ps. 94, 6—94). Gottes Wissen5) umfasst auch die in der Zukunft möglicherweise geschehenden Dinge. Durch das Vorherwissen Gottes büssen diese Dinge nicht den Charakter des Mögliehen ein. Dies ist eine der Grundanschauungen der mosaisehen Lehre, wie aus Stellen, wie Deut. 22, 8, ib. 20, 7, deutlieh ersichtlich ist. Diese Grundanschauung ist auch eine Vor- 9 S. darüber auch III, 51 (127 b). 2) III, 19. 3) Die Parallele zwischen Ps. 73 und Mal. 3, 13—17 führt im Einzelnen durch Abulwalid, Art. ד.לם. Zur Maleachi-Stelle s. auch C. M. Acht Cap., c. 8 (P. M. 252). 4) S. unten Cap. XIX, zu d. St. und zu II Kon. 17, 9. 5) III, 21.