Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 105)
- Language
- German
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90 Die göttliche Vorsehung. Jerern. 32, 19; Hiob 34, 21. Die Thora lehrt dasselbe an Stellen wie Exod. 32, 34; ib. V. 33; Lev. 23, 30; ib. 20, 6* Alles, was über Abraham, Isaak, Jakob erzählt wird, ist ein offenbarer Beweis für die individuelle Yorsehung. Dass aber die Thiere nicht Gegenstand der göttlichen Vorsehung sind, zeigt der Ausruf Habakkuk’s Angesichts der Menschenschlächtereien Nebukadnezzars (Hab. 1, 14 f.). ״Du machst die Menschen den Fischen des Meeres gleich . . .“ Dass die Menschen thatsächlich nicht sich selbst überlassen sind, sondern die Yorsehung richtend über ihnen waltet, hat vorher der Prophet selbst in Y. 12 ausgesprochen. Diese Anschauung wird nicht etwa durch Stellen, wie Ps. 147 9, ib. 104, 21, ib. 145, 16, widerlegt; denn an diesen Stellen ist nicht von den einzelnen Thieren die Rede, sondern von den Gattungen der Lebewesen, die jedenfalls Gegenstand der göttlichen Fürsorge sind. Das Maass der göttlichen Vorsehung1), das den Individuen zu Theil wird, entspricht der Stufe ihrer geistigen Vollkommenheit. Geistig tief stehende und sündhafte Menschen sinken, nach Ps. 49, 13, 2l2), auf die Stufe der unvernünftigen Thiere hinab, deren Individuen nicht Gegestand der Yorsehung sind. Wie sehr die Yorsehung die Personen der Stammväter mit ihrem Schutze umgab, sieht man an den Verheissungen in Gen. 15, 1, ib. 26, 3. ib. 28, 15; ebenso bei Moses (Exod. 3, 12) und Josua (Jos. 1, 5). Von der Yorsehung, welche über den Menschen hoher geistiger Siufe wacht und die Tiefstehenden sich selbst überlässt, heisst es in I Sam. 2, 9 : ״Die Füsse seiner Frommen bewahrt er, doch die Frevler kommen in Finsterniss um; denn nicht durch Kraft ist mächtig der Mann.“ D. h. nicht die leibliehen Kräfte und physischen Anlagen bestimmen das Geschick der Menschen, sondern das Maass ihrer geistigen und 0 III, 18. 2) llunk(p. 138) meint, Maimüni habe נדמו im Sinne von ״verstummt“ genommen und übersetzt ״privees de paroles“. Doch ist das sehr unwahrscheinlieb. נדמו erklärte wohl auch M., wie Saadia, als Synonym zu נמשל.