Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
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Die göttliche Vorsehung. 89 XIII. Die göttliche Vorsehung. Das Wissen Gottes. Die Versuchung. Die Willensfreiheit. Das ewige Leben. Ueber die göttliche Vorsehung gab es seit jeher, auch zur Zeit der Propheten, fünf verschiedene Meinungen1 2). 1. Die Meinung derer, die jede Art von Vorsehung leugnen, Jerem. 5, 12. 2. Die Vorsehung erstreckt sich nur auf die Welt der Sphären, nicht auf die sublunarische Welt, die Erde und die irdischen Dinge; Ezech. 9, 9: ״Gott hat die Erde sich selbst überlassen442). 3. Alles, auch das Geringste auf Erden, ist durch Gott bestimmt. Es giebt — auch in den menschliehen Handlungen — nur Hothwendiges oder Unmögliches, nichts Mögliches oder Zufälliges. 4. Die mit der Lehre vom freien Willen des Menschen verbundene Anschauung von der Weisheit und Gerechtigkeit der göttlichen Vorsehung, die sogar auf das Schicksal der Thiere sich erstreckt und für unverschuldete Leiden in der kommenden Welt Ent- Schädigung bietet. 5. Die Lehre des Judenthums, welche auf Grund der heiligen Schrift in Folgendem zusammengefasst werden kann3). In dieser sublunarischen Welt hat die göttliche Vorsehung ausser den Gattungen der Wesen nur die menschlichen Individuen zum Gegenstände. Darauf beziehen sich die Fragen des Erstaunens in Ps. 144, 3 und 8, 5. Dass über den einzelnen Menschen und ihren Handlungen die göttliche Vorsehung waltet, ist deutlich ausgesprochen in Ps. 33, 15; ג) III* 17. Als Vertreter der 1. und 2. Meinung nennt M. Epikuros (darauf beruht die in M. T. Teschuba 3, 8 zu lesende Definition der אפיקורופין) und Aristoteles. Für die 3. und 4. Meinung, die der Asch’ariten und Kadariten (auch der Mutaziliten) giebt M. hier keine biblische Belegstelle. Doch nennt er weiter als Vertreter dieser Meinungen, im Buche Hiob, Zophar und Bildad, während Hiob selbst die 2. Meinung bekennt. S. unten Cap. XVIII. 2) S. C. M. Einl. zu Chelek, 9. Glaubensartikel. 3) Maimüni betont, dass er diese Darstellung des Vorsehungsglaubens nicht auf dem speculativen Wege der Demonstration, sondern aus ״dem Buche Gottes und den Büchern unserer Propheten“ gewonnen habe.