Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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Die Prophetie. 71 Bescheide גדולות (Jer. 45, 5) so verstehen, dass die Prophetie für Barueh zu gross, dass er für sie nicht gehörig vorbereitet sei. Ebenso könnte man die Worte in Echa 2, 9: ״ihre Propheten fanden keine Vision vom Ewigen״ so erklären, dass wegen des Exils ihnen die Prophetie versagt blieb1). Aber wir finden eine Menge von Texten, aus denen ersichtlich ist, dass Gott zum Propheten macht, wen er will und wann er will. Allerdings ist unbedingt erforderlich, dass der zur Prophetie Berufene sich vorher durch Vervollkommnung dessen würdig erwiesen habe2). Die Worte in Jerem. 1, 5 beweisen nur, dass der Prophet auch eine natürliche Anlage zu den Vorbedingungen der Prophetie von seiner Geburt an besitzen muss. Wenn es in der messianischen Verheissung, Joel 3, 1, heisst, dass alles Volk prophezeien werde, so ist dort nicht von eigentlicher Prophetie die Rede3). Ihrem wahren Wesen und Begriffe nach ist die Prophetie eine von Gott durch die Vermittelung der ״wirkenden Vernunft״ auf das Denkvermögen und dann auf das Einbildungsvermögen einwirkende Emanation4). Aus Num. 12, 6 ist ersichtlich, dass die Prophetie eine Vollkommenheit ist, welche im Zustande des Traumes oder in einer Vision dem Propheten zu Th eil wird. מראה kömmt von ראה, sehen und bedeutet die vollkommene Thätigkeit des Einbildungsvermögens, kraft welcher es den Gegenstand so ״sieht״, als wäre er aussen, und was nur in der Einbildung existirt 1) So erklärt M. selbst weiter unten, III, 36 Ende, wo er auch Ämos, 8, 12 in diesem Sinne versteht. 2) M. N. ib. Die Worte אמא אלגהאל מן אלעואם פלא ימכן דלך ענדנא (73 b unt.) enthalten eine polemische Spitze gegen Muhammed, den ״unwissenden“ Propheten des Islam. 3) m. N. ib. 4) M. N. II, 36. Vgl. die Definition in C. M. Einleitung zu Chelek, 6. Glaubensartikel (P. M. p. 168): .... ״Die menschliche Vernunft tritt in Verbindung mit der ״wirkenden Vernunft,“ so dass aus dieser eine kostbare Emanation auf sie einwirkt“. S. auch M. T. Jesode Tora. 7, 1: .. ובעת שתנוח עליו הרוה תתערב נפשו במעלת המלאכים הנקראים אישים ויד,פך לאיש אחר (zu letzterem wird. I Sam. 10, 6 citirt). Vgl. oben S, 69. Anm. 8.