Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3122061-3122084--3007-3124416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die menschliche Bedeweise der Bibel. 21 die Thätigkeit anzuzeigeu, oder ein Sprachorgan, um die Emanation der göttlichen Intelligenz auf die Propheten anzuzeigen. Alle diese Metaphern sollen darauf hinleiten, dass sich in uns der Gedanke eines lebenden, Alles ausser ihm wirkenden und sein eigenes Wirken wahrnehmenden Wesens befestige.1) —Yon inneren Gliedern des menschlichen Körpers wurde Gott nur das Herz metaphorisch zugeschrieben, weil dieses zugleich homonyme Bezeichnung der Yernunft ist, aber auch weil das Herz das Lebensprincip jedes Lebewesens ist. Unter מעי (Jerem. 31, 19) ist ebenfalls das Herz zu verstehen, weil מעים in seiner allgemeinen Bedeutung auch das Herz in sich begreift (vgl. Ps. 40, 9, -=*= בתוך מעי בתוך לבי, ib. Y. II2). Und wenn es an der erwähnten Stelle heisst המו מעי, so entspricht das dem Ausdrucke הומה לי לבי (Jerem. 4, 19). Man hat Gott nicht bildlich die Schulter zugeschrieben, weil diese als Organ des Tragens gilt und das Getragene unmittelbar berührt.3 4) —Was die vulgäre Vorstellung als Mangel betrachtet oder was ihr bei Gott unvorstellbar ist, das findet sich in der Bibel nicht als Metapher angewendet. Darum werden von den fünf Sinnen nirgends der Geschmacksinn und Tastsinn von Gott ausgesagt. Aus demselben Grunde wird Gott wol das Denkverinögen, nicht aber die Einbildungskraft zugeschrieben; man findet bei Gott die Ausdrücke מחשבה und תבונה, nicht aber רעיון, da dieses Wort die Einbildung bezeichnet). Der Ausdruck ״zu seinem Herzen“ (Gen. 6, 6; 8, 21) נ) I, 46 (5l.a). 2) Munk (p. 163) ist entgangen, dass auch בתוך לבי Citat ist. 3) Ib. (51b). 4) M. N. I, 45 (mit der Schlussbemerkung: וכל דלך לשון בני אדם)♦ Maimüni scheint aus dem Inhalte der Stellen, in welchen das Wort רעיון im Buche Daniel vorkömmt, gefolgert zu haben, dass es Gebilde der Phantasie, also die Einbildungskraft bezeichnet. Auf dieser Meinung M.’s (die weder bei Abulwalid noch bei Ibn E sra sich findet) beruht der Ausdruck כח רעיוני für eines der fünf Vermögen der Einbildungskraft in Abraham b. Chasdai’s Uebersetzung von Algazalfs מאזני צדק (s. Scheyer, Das psychologische System des Maimonides, S. 13).