Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3122061-3122084--3002-3124411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16 Allegorische Exegese. eine Leugnung der Wunder mit sich bringen.1) Eine allegorische Deutung der biblischen Wunderberichte aber, nach Art der muhammedanischen Allegoristen,2) wäre eine Art des Wahnwitzes.3)—Wer die Gebote der Thora ihres Wortsinnes entkleidet (allegorisch deutet), ist ein Lügner, Frevler und Ketzer.4) Im Buche der Sprüche (c. 7) hat Salomo mit dem buhlerischen Eheweibe allegorisch die Materie bezeichnet.5) Es existirt keine Materie ohne Form, sie ist immer ״das Weib eines Mannes“, nie ״ledig.“ Aber sowie das buhlerische Eheweib stets einen anderen Mann sucht und ihn mit arger List an sich zu ziehen strebt: so wechselt auch die Materie immer die Form, indem die eine Form sie zur Aufnahme einer anderen vorbereitet. In den Sprüchen Salomo’s wird der Mensch vor den Lockungen seiner sinnlichen Natur gewarnt, 1) Vgl. I, 71 (95 a). 2) S. vor. S., Anm. 1. 3) M. N. II, 25. 4) M. T. (wo?), angeführt von Joseph b. Aknin in seinem Comm. zum Hohenliede, citirt von Steinschneider (Allg. Encycl. II, 31, S. 55) und Neubauer (Monatsschrift, 1870, S. 398). Nach Ibn Aknin hätte M. dabei die christliche Allegorisirung der Gebote im Auge gehabt. Damit wäre Maimüni den älteren Bekämpfern der Allegoristik der Christen (s. Kaufmann, Zunz-Jubelschrift, S. 146, meine Bemerkungen in Abr. Ibn Esra als Grammatiker, S. 23, Monatsschrift 1884, S. 475) anzureihen. Auch in dem oben S. 4. Anm. 1 angeführten Responsum sagt Maimüni von der Exegese der Christen: אך לפעמים יגלו פנים שאינם כהלכה♦ Die von Joseph Ibn Aknin citirte, aber in dem vorliegen־ den Texte des M. T. nicht auffindbare Stelle lautet: המגלה פנים בתורה והמוציא דברי המצות מפשטן הרי זה בדאי רשע ואפיקורס. (Ueber den Ausdruck מגלה פנים S. C. M. Aboth 3, 11, M. T. Teschuba 3, 11. Vgl. Die Agada der Tannaiten I, 197). S. Aehnliclies bei Abraham b. Chija an der oben, s. 14 A. 4, citirten stelle: ואני אומר שכל המוציא הכתובים האלה מדרך פשטן . . . אינו אלא אפיקורס ורשע♦ — S. noch unten, Cap. XXI, über die christliche Bibelexegese bei Maimüni. 5) Eine Deutung von איש und ,אשד auf Materie und Form fand M wie er II, 30 (70ab) anzudeuten scheint (s. Munk p. 248), auch in Gen. 2, 23. Ueber den platonischen Ursprung dieses Gedankens, dass die Materie dem weiblichen, die Form dem männlichen Wesen entspreche, s. Schmiedel, Studien, S. 231.