Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [19] für das Schlujahr 1895/96 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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X Die Bibelexegese Moses Maimuni’s. sodann Maimüni eines der originellsten Hilfsmittel seiner Bibelexegese, die Yisionstheorie (Gap. XI}, durch welche er eine Reihe biblischer Erzählungen aus dem Gebiete des thatsächlichen Geschehens in das Bereich seelischer Erlebnisse überträgt, mit einer Kühnheit, die nur in den Operationen der modernen Bibelkritik ihres Gleichen findet. Man kann den Rationalismus als das materiale, die Annahme des äussern und innern Sinnes als das formale Princip der Bibelexegese Maimüni’s bezeichnen. Seinem Rationalismus liegt die Ueberzeugung zu Grunde, dass was der menschliche Geist ausserhalb Israels als sicheres Ergebniss wissenschaftlicher Forschung erkannt hat, auch den Propheten und Weisen Israels nicht unbekannt war, ja auch in den heiligen Schriften Israels, wenn auch nur in Andeutungen, enthalten sein muss. Das formale Princip beruht auf der Anschauung, dass die heilige Schrift ihren wahren Inhalt sehr oft mit den verschiedenen Mitteln der menschlichen Rede verhüllt habe, dass aber die richtige Auslegung durch diese Hülle hindurch in die ״Geheimnisse der Lehre“ eindringen könne. Die Ueberzeugung, dass der Text neben dem, was sein Wortlaut besagt, auch etwas anderes aussagen könne, führt Maimüni zur Annahme des doppelten Schriftsinnes und führt ihn namentlich zur allegorischen Exegese, mit deren Theorie er seinen ״Führer“ einleitet. Jedoch ist wohl zu beachten, dass bei Maimüni der Begriff der Allegorie viel mehr umfasst, als man sonst mit ihm zu bezeichnen pflegt, da das ganze grosse Gebiet uneigentlicher und bildlicher Redeweise, ja selbst die Homonymie bei ihm exegetisch derselben Kategorie angehört, wie die Allegorie im engeren Sinne. Anderseits hält sich bei Maimüni die Allegorese innerhalb der Schranken, welche sein Rationalismus einerseits, seine Traditionsgläubigkeit andererseits ihm ziehen müssten. Dass es aber auch bei Maimüni nicht an leisen Anklängen jener weitgehenden Allegoristik fehlt, welche bald nach seinem Tode und unter der Flagge seines Namens auftrat, zeigt nicht nur seine Deutung des Hohenliedes, sondern auch manche Einzelheiten seiner Exegese, wie die Deutung des