Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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86 Tage verfolgte die Ungeduld, seine Nächte floh der Schlaf. Das hatte er nicht in Rechnung gezogen, als er die Seinen verliess, um, die Seele von Plänen voll, die Brust von Hochgefühl geschwellt, dem Rufe des Senates zu folgen. Das reinste Wollen, das beste Können hatte er mitgebracht, er hätte die Hand nur ausstrecken zu müssen geglaubt, um nach den Früchten zu langen, die so reich und so nahe für ihn niederhiengen, als er durch eine Tücke, eine Laune im nächsten Augenblick sie in unerreichbare Ferne emporschnellen sah. Da mag wieder wie in seiner Kindheit Tagen die vielbewunderte Gestalt Salomo b. Nathans aus Udine vor ihm aufgestiegen sein, wie er, der Jude, vor dem Senate von Venedig als Abgesandter des Grossherrn erschien, ungehindert in seinem Auftreten, unbeschränkt in seinen Leistungen. Was vor mehr als hundert Jahren der Türke unbedenklich unternahm, eines Juden sich zu bedienen, wenn das Interesse des Staates es erheischte, das durfte an der Wende des siebzehnten Jahrhunderts sein Vaterland nur verstohlen und auf Schleichwegen versuchen. War es seine Schuld, wenn es misslang, wenn er, den das Vorurtheil auf die Hintertreppe wies, durch eine Laune auch von dieser zurückgedrängt wurde? Aber er hatte im Umgang mit den Grossen dieser Erde genügend schweigen gelernt, um seinem Tag und Nacht ihn verzehrenden Unmuthe in seiner Antwort an den Dogen vom 2. Januar 1699 Zügel anzulegen1). Ein Jahrhundert hatten die zwei Monate seit Maurocodato’s Antwort für ihn gedauert, wie sie in so weltgeschichtlicher Epoche auch wirklich eines bedeuteten. Mit seinen Auftraggebern in Venedig hatte auch er von einem Ungefähr, irgend einem Krankheitsfalle im türkischen Lager die ersehnte Annäherung gehofft, Alles, was nur möglich schien, war von ihm versucht worden, sie herbeizuführen, zuletzt hätte noeh bei Gelegenheit der Neujahrsgratulation ein Besuch bei den Botschaftern Englands und Hollands2), den er in Gesellschaft der Dolmetscher Carli und Fortis unternahm, ihn ans Ziel bringen sollen; es war Alles vergebens gewesen. Er hatte Nichts als sein jetzt 1) Ib. Nr. 5T. 2) Ib. Nr. 60 b.