Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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87 noch gluthvoller gewordenes Verlangen, dem Vaterlande seine Dienste zu weihen, sobald der Augenblick ihn zuliess. Aber Eines musste dennoch herausgesagt sein, die Empfindung, die es ihm bereitete, alle seine Vorhersagen so bis aufs Haar eintreffen zu sehen und mit dieser Probe auf seine Beurtbeilung der Verhältnisse in thatenloser Ohnmacht bei Seite geschoben zu werden. Wenn es ihm noch einen Rath zu geben verstattet war, so war es der, den Frieden so früh als möglich zu schliessen. Er kannte seit 25 Jahren die Türken zu genau, um nicht zu wissen, dass sie, jeden Augenblick von neuen Gelüsten angewandelt, nach einer Weile verwerfen, wovon sie soeben sich erfüllt gezeigt hatten. Als ein Symptom der in Constantinopel gegen Venedig herrschenden Stimmung glaubte er die ihm von dort gewordene Nachricht dem Senate nicht vorenthalten zu dürfen, dass man Carabuse, den Verräther der venezianischen Küstenfestung auf Kreta, jetzt besser behandelte als Tököly, dessen letzte Hoffnung hier auf dem Congresse den Gnadenstoss erhielt. Hasan Pascha von Chios, das seit der Einnahme durch Mezzomorto den Türken verblieben war, sollte der Grossherr, 80# gieng das Gerücht, zuletzt zu seinem Kaimakam an die Pforte berufen haben. In seinem Briefe vom 11. Januar sehen wir Conegliano mit der Sprache schärfer herausrücken1). Er war es sicher und glaubte kein Hehl mehr daraus machen zu sollen, dass man in all den Jahren des Krieges sich mit den Türken nicht so sehr verfeindet hatte als in den Wochen der Friedensverhandlungen von Carlowitz. Das kam daher, dass man mit ihnen umspringen zu sollen vermeinte, wie es Sieger mit Besiegten thun. Aber es kam anders. Denen man die Bedingungen zu dictiren gehofft hatte, sah man sich auf einmal wie Gesetzgebern gegenüber. Nachgiebigkeit war nicht zu erreichen, Widerstand wurde mit Erbitterung aufgenommen. Man hätte von den österreichischen Bevollmächtigten lernen müssen, in der angenehmsten, aber entschlossensten Form der Schwierigkeiten Herr zu werden und alle Bitterkeiten in Wohlgefallen aufzulösen. Ruzzini hatte noch immer allein mit den Türken fertig zu werden gehofft. Die Erlaubniss, die er Conegliano am 10. 1) Ib. Nr. 58.