Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
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85 Worte des Unmuths gegen den übervorsichtigen Botschafter, der es immer gründlicher mit den Türken zu verderben auf dem rechten Wege war, entschlüpften ihm damals in seinen Briefen nach der Heimat1), in der man nicht minder ungeduldig auf die ersten Leistungen Conegliano’s oder wenigstens eine Darstellung der Lage von seiner Hand wartete. Vergebens hatten die Inquisitoren in ihrer auszeichnend freundlichen Zuschrift vom 10. Dezember 1698 die Erwartung ausgesprochen, dass er nach der entgegenkommenden Antwort Maurocordato’s gewiss Gelegenheit finden werde, von ihrem hierzu bereits angewiesenen Botschafter unterstützt, in ungezwungener Weise den Verkehr mit den türkischen Bevollmächtigten aufzunehmen und über das Ergebniss in aller Offenheit nach Hause zu berichten2). Die Staats- Weisheit Ruzzini’s fand sich selbst dann noch nicht bewogen, Conegliano in die ihm Anfangs so beflissen dargebotene Rechte einschlagen zu lassen, als die Weisung des Senates, der dies so. dringend und unzweideutig verlangte, bereits in seinen Händen war. Jeder Tag länger, den er seinen Leibarzt zurückhielt, den Weg ins türkische Lager zu versuchen, erweiterte die Ivluft und steigerte nur noch die Verletzung der natürlich gebotenen Pflicht der Höflichkeit. Ende October war die Einladung Maurocordato’s für Conegliano erfolgt. Ruzzini aber liess den November und den ganzen Dezember verstreichen, ohne die Erlaubniss zur Anknüpfung des leicht so folgenreichen Verkehres zu ertheilen. Der Beginn des Jahres 1699 war gekommen, alles Bitten und Drängen Conegliano’s war vergeblich gewesen; der Zweck seiner Reise schien für immer vereitelt. Von brennendem Thatendurst und quälender Unthätigkeit verzehrt, durch den verbohrten Eigensinn und die gereizte Ohnmacht seines Vorgesetzten dazu verurtheilt, mit verschränkten Händen dabei stehen zu müssen, wo er offenbaren Schaden anrichten sah und durch entschlossenes Eingreifen retten und nützen zu können sicher war, fühlte Conegliano seinen Auftraggebern gegenüber sich beschämt and gedemüthigt, das Vaterland und sich selber um entscheidende Leistungen geprellt und betrogen. Seine!) Ygl. Anhang Y, 54. 2) Ib. Y, 32.