Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3122061-3122086--2786-3124194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 79 Krieg oder für Frieden nach seiner Wahl zu entscheiden. Rami und Maurocordato waren bereits die ernannten Be« vollmächtigten, die beim Abschlüsse des Friedens die Pforte vertreten sollten und für dieses Vertrauensamt durch Ehrengaben und neue Titel vom Sultan ausgerüstet wurden. Drei Monate hatte der Brief des Leibarztes RamPs gebraucht, um diese Botschaft nach Venedig zu bringen. Am 18. Juni 1698 war er von C-onstantinopel abgeschickt worden, aber erst am 27. September lief er am Orte seiner Bestimmung in Venedig ein, ohne jedoch Conegliano hier anzutreffen1). Mit diesem war einen Monat vor Ankunft des Briefes eine Veränderung vor sich gegangen, die den auf der Kammhöhe des Lebens angelangten Mann zu einer Stellung emportrug, an die in jenen Tagen weder der Wunsch noch der Traum eines Juden sich heranwagte. Dass der Sprössling des Ghetto’s von Padua jemals auch nur in die Nähe des Völkerareopags würde zugelassen werden, der angesichts des zur Rüste gehenden Jahrhunderts dem ruhebedürftigen Erdtheile den Frieden zu schenken berufen war, das hatte sicherlich bei seiner Geburt kein Sternkundiger im Buche des Himmels zu lesen gewagt. Dass aber vollends die Regierung seines Vaterlandes seiner Beihülfe in dem weltgeschichtlichen Augenblicke des Friedensschlusses nicht entrathen zu können meinte und zu geheimer, aber entschiedener Theilnahme an dem schicksalsvollen Werke ihn berief, das war so sehr ohne Beispiel, dass die Ehrung, die darin lag, einen weniger gefesteten Mann hätte schwindlig machen müssen. Die nüchterne Politik der Signorie hatte sich eben nicht verhehlt, dass es neben ihrem officiellen Vertreter beim Congress der Mächte, dem als Sprosse eines grossen Geschlechtes und erprobter Staatsmann hochangesehenen Carlo Ruzzini, keine geeignetere Persönlichkeit für die Besetzung der mehr episodischen Rolle des stillen Vermittlers gab als den ausserordentlichen Arzt ihrer türkischen Botschaft, den bewährten und gewiegten Kenner der ottomanischen Verhältnisse, ihren alten Vertrauensmann bei der Pforte, Dr. Israel Conegliano. Am 23. August 1698 erhielt er nach Beschluss des Senates vom ג) Ib. Nr. 52.