Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
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80 Dogen selber die Weisung, dem Botschafter Ruzzini seine ärztlichen Dienste, aber auch seine reichen staatsmännischen Erfahrungen und Talente zum Verkehr mit den Bevollmächtigten der Türkei zur Verfügung zu stellen. Ruzzini selber scheint den Wunsch, Conegliano bei sich zu sehen, dem Senate geäussert zu haben, so dass dieser am 30. August ihm nach Wien berichten konnte, man sei seinem Verlangen nicht nur entgegen —, sondern zuvorgekommen1). Sein Gehalt sollte dasselbe bleiben, wie zur Zeit, da er ausserordentlicher Arzt des Bailo war, nur sollten die achtzig Cecchinen jährlich, die man zuletzt ihm weggenommen hatte, jetzt wieder ausbezahlt werden. Als Reisegeld waren ihm 300 Ducaten bewilligt worden. Mit der Eincassirung seiner Bezüge betraute er seinen Bruder Dr. Salomo Conegliano, der ihm die Mittel zur sofortigen Abreise vorgestreckt hatte2). In der Huth dieses trefflichen Mannes liess er seine Familie zurück, die aus sechs Kindern bestand und schon in der allernächsten Zeit einem Zuwachse entgegensah. Das nächste Reiseziel war Wien. Hier versammelten sich um den Botschafter, den jetzt am Hofe des Kaisers Francesco Loredan abzulösen bestimmt war3), die Abgeordneten der Republik, die ihrem Bevollmächtigten auf dem Congresse zur Seite stehen sollten. Es waren dies Giambattista Nicolosi als Secretär, Lorenzo Fondra, der Fiscal der Provinz Dalmatien, für das später durchzuführende Abgrenzungswerk bestimmt, und die beiden Dolmetscher Rinaldo Carli und Alvise Fortis. Unter den Juden in Wien, welche seit der Vertreibung von 1670 mehr unter dem Schutze des Bedürfnisses, das sie einzulassen zwang, als der Duldung sich hier wieder angesiedelt hatten, mag es wie ein Wunder angestaunt und besprochen worden sein, dass unter den amtlichen Gästen, die der bevorstehende Weltfriede in die Hauptstadt führte, auch einer ihrer Glaubensgenossen zu sehen war. 1) Ib. Nr. 26. 2) Ib. Nr. 53. 3) Garzoui a. a. 0. 791.