Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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60 beschworen, er, der eine befreundete Kation so leichterdings preisgebe, werde endlich auch selber bei den Türken alles Vertrauen einbüssen und obendrein um die viertausend Realen aus dem venezianischen Schutze sich gebracht haben. Kalt wies der Botschafter darauf hin, die Venezianer und ihr Schutz seien eben nicht in den Capitulationen enthalten, als aber Conegliano erwiederte, er werde Wege finden, diese in seinem Sinne auszulegen, da verschanzte der ins Gedränge gebrachte Diplomat sich dadurch, dass er alle Schuld der Republik selber zuschob. Schon als Passarin durch seine Bemühungen befreit wTurde, hätten die Türken ihn veranlassen wollen, von seinem Könige das Verbot jeder ferneren Zulassung der Venezianer unter die französische Flagge auszuwirken. Als Charles Colbert den Botschafter Venedigs in Paris, Venier, damals darauf aufmerksam machte, habe er, statt den allerchristlichsten König für den Schutz seiner Landsleute zu gewinnen, cynisch geantwortet, die Türken können ohne die Cecchinen der Venezianer nicht auskommen. Auch jetzt noch hätte man durch Vorstellungen am Hofe von Paris die Massregel verhindern können. Man habe sich daher von Paris aus nicht veranlasst gesehen, in die Sache sich einzumischen und den Botschafter vielmehr angewiesen, den Türken in ihrem Hause nicht dreinzureden. Er habe ר solange die Türken nicht redeten, gern geschwiegen; jetzt nach dem vollzogenen Ereigniss könne er, so sehr es ihn auch schmerze, nicht gegen seinen Auftrag handeln. Wohl hörte Conegliano aus dieser Antwort deutlich die Gereiztheit gegen den venezianischen Botschafter Venier heraus, der den Gesandten wegen des allzuhohen Schutzgeldes von 3000 Realen für das Schiff S. Gaetano am französischen Hofe verleumdet hatte, aber er fühlte bereits, dass er nicht umsonst hartnäckig geblieben war. Bald hatte Chäteauneuf einwilligen müssen, Alles, was in seiner Macht stehe, für die Sicherheit der Venezianer einzusetzen. War ihm aus Anlass der Enthaftüng der jüdischen Angeklagten geglaubt worden, dass sie unter seinem Schutze standen, so müsse man auch jetzt sich auf diesen Standpunkt stellen. Er gieng so weit, für diejenigen, die bereits im Lande waren und bleiben wollten, gegen die Zahlung der Kopfsteuer die fernere Aufenthalts-