Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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59 abänderlich musste über sie der Stab gebrochen worden sein, wenn selbst der bisher persönlich wohlwollende Botschafter Frankreichs sie preisgab! Es war Conegliano längst kein Geheimniss, mit wie scheelen und argwöhnenden Blicken die Türken das Einlaufen venezianischer Kauffahrteischiffe in ihre Häfen betrachteten und wie sie eigentlich einen organisirten Kundschafterdienst hinter der Flagge des Handels vermutheten. Schon im Sommer 1693 hatte der Kapudanpascha, der zufällig an den Dardanellenschlössern der Einfahrt eines venezianischen Handelsschiffes unter französischer Flagge Zeuge geworden war, eine solche Unruhe an den Tag gelegt, dass er von dem Consul Frankreichs die weitgehendsten Garantieen fordern zu müssen meinte. Ja, selbst der Reis Adschem Bekir Efendi hatte bereits vor Passerin sich beklagt, dass dieFranzosen durch den Schutz der Yenezianer ihnen eigentlich die Feinde mit Gewalt ins Haus bringen. Jetzt war zuletzt noch das verhängnisvolle Wort; Spione gefallen, die Juden hatte man ergriffen und vor die Anklage gestellt, aber gemeint waren die Yenezianer allesammt; es war kein Zweifel mehr, dass man es auf ihren Untergang abgesehen hatte. Conegliano glaubte darum auch, nicht gleich in das allgemeine Geschrei einstimmen zu müssen, dass die Franzosen an der Vertreibung der Yenezianer aus der Türkei allein die Schuld tragen. Vielmehr mochte wirklich der Anstoss dazu von türkischer Seite ausgegangen sein, sei es, dass der Kapudanpascha oder Kalaili Sultan Ahmed II. den teuflischen Rath eingegeben hatten. In Adrianopel verschaffte man sich erst die Gewissheit, dass kein Vertragsrecht die Venezianer schütze. Hierzu hatte man sich allerdings der Zustimmung des französischen Botschafters versichert, so dass Ali Pascha insofern mit Recht behaupten konnte, es sei im Einverständnis mit diesem vorgegangen worden. Conegliano wurde darum auch nicht müde, mit seinen Vorstellungen, so fruchtlos auch jede Bemühung an dieser verdächtigen Stelle erscheinen mochte, auf den Botschafter einzudringen. Ihn, erklärte er, werde man in erster Reihe für den Frevel verantwortlich machen, Frankreich habe in der That durch die Ausstossung der Juden aus seinem Schutze die ganze Bewegung gegen die Venezianer herauf-