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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1895-01-01 · [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895) · page 63

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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58 zu verfügen Der sonst in allen Sätteln gerechte Diplomat war diesmal von der gewohnten Feinheit verlassen. Er vermochte nicht einmal den Ueberraschten zu spielen, schrieb aber an Meynardi doch in einem Sinne, als habe er eben von Conian, wie Conegliano auch von dem Gesandten genannt wurde, von dem Hattischerif zuerst erfahren, um jedoch in demselben Briefe, wie sich später herausstellte, hinzuzufügen, Meynardi möge, sobald ihm vom Kaimakam die erwartete Weisung zugehe, ohne Widerrede Gehorsam leisten. Am frühen Morgen nach einer schlaflosen Nacht war Conegliano wieder bei Ali Pascha. Was dieser ihm mitzutheilen hatte, zeigte nur noch düsterer den Ernst der Lage. Man habe die Massregel geheim halten und mit einer Ueberraschung hervortreten wollen, um Niemand entkommen zu lassen. Da sei er mit der Bemerkung dazwischengefahreri, dass solcher Ruchlosigkeit selbst die Heiden nicht fähig wären, dass man diesen Beschluss vielmehr unter Trompetenstössen, wie es bei Ausweisungen üblich war, verkünden müsse und dass er selber durchaus Israel Conegliano davon Mittheilung machen werde. Beide waren darin einig, dass man einen Frevel wider alles Völkerrecht zu begehen, Schutzbefohlene, die man zugelassen, hinzumorden im Begriffe war. Ali Pascha’s konnte Conegliano sicher sein. In der That erhielt er bereits am folgenden Tage durch seinen treuen Freund Ali Efendi, nachmals Tedskheregi, d. i. Secretär des Kaimakams, im Namen des Beilekgi die Verständigung, sein Leben und sein Vermögen könne er jetzt bereits allerwege für gesichert halten. An diesem Tage gewann auch aus den Verhandlungen mit dem Reis Conegliano den Eindruck, dass auch er den ruchlosen Ueberfall auf die Venezianer verabscheue und dass deren Sicherung um einen entschiedenen Schritt weitergekommen war. Dankerfüllten Herzens sah er jetzt ein Werk der Vorsehung darin, dass es ihm von Adrianopel aus vergönnt gewesen war, dem Verhängniss in den bereits aufgehobenen Arm zu fallen. Es wäre sonst um die Venezianer geschehen gewesen. Kein Botschafter hätte sie zu schützen vermocht. Durch die Capitulationen waren sie nicht geborgen; so standen sie ausserhalb des Schutzes des Völkerrechts. Wie un-

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