Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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Mine auffliegen sollte, zu der sie leitete. Wie einen mit Händen zu greifenden Gegenbeweis führte er sofort Verona in Adrianopel bei allen Grossen des Reiches umher. Man brauchte den gefangenen Gimpel, den armen Hungerleider, der kaum 20 Jahre zählte, nur anzusehen, um über den Kapudanpascha zu lachen, der nach diesem angeblichen Spion der Venezianer zu Wasser und zu Lande hatte fahnden lassen. Die Freundschaft, die Conegliano mit den hochsten Würdenträgern der Türkei verband, unterstützte seinen Versuch; man war überzeugt, dass eine Ruchlosigkeit im Spiele war. Aber Conegliano hütete sich, von seinem Erfolge mehr als den eben nothwendigsten Gebrauch zu machen. Mit weiser Mässigung vermied er es, wozu sich ihm jetzt die Gelegenheit bot, den Anklägern, unter denen vor Allem Mercin hätte gefasst werden können, den Prozess zu machen; alles Aufreizende sollte sorgfältig verhütet werden, der Botschafter war jetzt zu Allem bereit; er hatte sein Siegel Conegliano ausgeliefert, der in seinem Namen Alles vom Grosswezir verlangen durfte, was er nach Berathung mit dem Beilekgi für erspriesslich hielt. Das hatte Conegliano freilich nicht durchsetzen können, dass der Prozess in Adrianopel ausgetragen werde, da im Sinne des Gesetzes Mercin nicht dazu verhalten werden konnte, seine Aussagen vor einem anderen Gerichtshöfe als dem zu Constantinopel zu machen. Umso bereitwilliger war aber der Grosswezir, der dem Botschafter Frankreichs ungern schon das Eine Nein gesagt hatte, für die Beilegung der Sache ausserordentliche Massregeln zu empfehlen. Das gab zugleich dem Beilekgi Gelegenheit, sowohl an den Kapudanpascha als an den Kai'makam von Constantinopel zu schreiben, dass sie dabei sich wohl in Acht nehmen sollten, und dem Stambul Efendisi, d. i. dem Oberstrichter daselbst einzuschärfen, mit strenger Gerechtigkeit vorzugehen, die Protokolle aber, ohne eine Entscheidüng auszuführen, nach Adrianopel einzusenden, eine Vorsichtsmassregel, die nur in den wichtigsten Fällen in An- Wendung kam. Der Botschafter war allerdings durch die vorn Grosswrezir abgeschlagene Bitte so weit abgekühlt worden, dass er sein Versprechen, persönlich an den Kai'makam zu schi eiben und den Verhafteten zur Tagfahrt den Drago-