Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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regeln zu erfahren. Die Antwort brachte keine Klarheit. Nur so viel war Meynardi geheimnisvoll bedeutet worden, dass es sich da um eine dem Grossherrn wie dem allerchristlichsten König gleich wichtige Angelegenheit handle. Damit war der Botschafter lahmgelegt. Auf eine solche Andeutung hin hätte er noch ganz andere Persönlichkeiten als den armen Teufel Yerona auslieferri müssen. Die Gefangenen, ja alle venezianische Juden der Levante waren verloren, wenn Conegliano nachgab. In dieser gespannten Lage wuchs die an sich gleichgültige Person Joan Yerona’s zu geschichtlicher Bedeutung; er war, wie Conegliano sagte, die Feuermauer geworden, auf die es alle Anstrengungen zu vereinigen galt, um das bedrohte Gebäude zu retten. Noch war er auf dem Boden des französischen Schilfes in der Huth Frankreichs. Ihn ausliefern, hiess die Sache der Venezianer preisgeben und ein Verhängniss von unabsehbarer Tragweite über die ganze Colonie heraufbeschwören. Das sah der Botschafter ein. Meynardi, der den Befehl erhielt, Yerona nicht herauszugeben, entschloss sich, ihn lieber nach Adrianopel zu schicken. Hier hielt man es für das Beste, den Stier bei den Hörnern zu fassen, den heissverlangten Niemand, dessen Person in lachenerregendera Contraste zu dem Eifer stand, mit dem er gesucht wurde, direct dem Grosswezir vorzuführen. Andala als Tschausch der Botschaft erhielt den Befehl, Yerona vor dem Diwan zu bringen, wo er, der in seiner Schuldlosigkeit sich selbst gestellt habe, für die Enthaftung der vier im Kerker schmachtenden Yenezianer Fürbitte einzulegen erschienen sei. Des Grosswezirs Weisung lautete eigentlich auf Einlieferung des Verfolgten an den Kapudanpascha. Es war genug erreicht, dass er bloss die Meldung seiner Selbststellung erstattete und Aufklärung verlangte. Allein die Antwort, die eintraf, schien alle Hoffnungen zu begraben. Ein Wort war gefallen, das in so drangvoller Zeit einem Todesurtheile glich. Jetzt war der Eifer des Kapudanpascha begreiflich, es war eine Haupt- und Staatsaffaire, um die es sich handelte: es galt die Yerfolgung von Spionen. Conegliano begriff, was auf dem Spiele stand. Es war keine Zeit mehr zu verlieren; die Zündschnur musste durchgeschnitten werden, wenn nicht im nächsten Augenblicke die 4*