Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3122061-3122086--2757-3124165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 men und ausgebeutet, die an der Pforte gegen Venedig immer gereizter sich äusserte. Im Mai 1693 hatte sich der alte Löwe von S. Marco gleichsam selber gegen die Türkei erhoben, der greise Doge Francesco Morosini ergriff noch einmal in eigener Person den Feldherrnstab, es gieng wie zum Kreuzzug, mit dem gleichen pomphaften Ceremoniel, mit dem 1464 Cristoforo Moro zum Kampfe gegen den Halbmond unter Papst Pius II. ausgezogen war; Negroponte und Chios war die Losung. Mit Bangen und Unmuth verfolgte man in Constantinopel den neuen Waffengang der Republik. Sultan Ahmed II., vor neuen Verlusten zitternd, war reizbarer als je; Massregeln gegen die Venezianer, die ihm seine Regierung vorschlug, empfand er wie eine persönliche Wohlthat. Das Unwetter lag in der Luft; es konnte jeden Augenblick losbrechen. Wenn die venezianischen Juden zuerst betroffen wurden, so waren sie nur die Bäume am Waldrand, die der Sturm vor Allem zaust. Conegliano hatte kaum תothdürftig die aus der Entziehung des französischen Schutzes drohende Gefahr beschworen, als ihm ein Eilbote aus Oonstantinopel die Nachricht brachte, der Kapudanpascha Jusuf habe vier jüdische Unterthanen Venedigs ins Gefängniss werfen nnd gegen zwei andere den Haftbefehl ergehen lassen1). Vier arme Leute, Namens Akiba, Salom, Neto und Lunel waren es,,an denen man sich zuerst vergriffen hatte. Der fünfte, nach dem man besonders ungeduldig fahndete, Joan Verona, der einem Skiaven des Kapudanpascha angeblich zur Flucht verhelfen hatte', war rechtzeitig auf ein französisches Schiff entkommen. Von dem sechsten erfuhr man nicht einmal den Namen. Für den Marquis von Chäteauneuf war der Zwischenfall, in dem Conegliano sofort seine Intervention anrief, eine rechte Verlegenheit. Er sollte für Leute sich einseizen, die er officiell gar nicht mehr schützen durfte, und noch dazu in einer Sache Stellung nehmen, in derer keinen Geringeren als einen Verwandten des Sultans, den Kapudanpascha, gegen sich hatte. Gleichwohl entschloss er sich, Meynardi zu ihm zu schicken, um wenigstens den Grund der plötzlich getroffenen Mass- 1) Ib. Nr. 18, 6.