Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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8 hatte ihnen, vor denen der Zugang zur wissenschaftlichen Welt verriegelt war, sein Collegium zu Padua eröffnet. Im Geiste des Beschlusses aus der 19. Sitzung des Baseler Concils, wonach kein Jude zu einem gelehrten Ehrengrade zugelassen werden durfte, verschlossen die Universitäten im übrigen Europa, das freie Holland ausgenommen, den Juden ihre Thore. Den Schwierigkeiten trotzend, der Entfernungen spottend, zogen daher jüdische junge Männer jetzt nach Padua, um zum Aerger des Brodneides in der christlichen Welt1) die Befähigung und Berechtigung zum ärztlichen Beruf von da in die Heimath zu tragen. Die Yorbereitung dieser aus den verschiedensten Himmelsgegenden hierher pilgernden Studenten übernahm nun Dr. Salomo Conegliano, in dessen Hause zu Yenedig eine Art Yorschule der medicinischen Fakultät von Padua mit der Zeit sich herausbildete. Ganz besonders wurde er durch seine hebräisehe Gelehrsamkeit und seine Kenntniss der deutschen Sprache den aus Polen und Deutschland nach Padua wallfahrenden Medicinern ein unentbehrlicher Beistand und Berather2). Salomo Conegliano ward aber nicht nur für Fremde, sondern auch im eigenen Kreise ein Werber und Führer für den medicinischen Beruf. An seinem Beispiel und Yorbild entzündete sich in seiner ganzen Familie der Eifer und die Yorliebe für die ärztliche Laufbahn. Das Geschlecht der Conegliano ward eine wahre Hecke der Medicin. Yor Allem aber strebte ein jüngerer Bruder Salomo’s, Israel Conegliano, seinem Muster und Ideale nach. Es war kein anderer Ehrgeiz, als dem geachteten Bruder, in gebührendem Abstande freilich, nachzukommen, was die Brust des jüngeren Conegliano ausfüllte und ihm unter die Jünger des Athenäums von Padua führte. Selbst in den kühnsten Träumen seiner Jugend wird es ihm nicht in den Sinn gekommen sein, dass gerade er dereinst alle Glieder der Familie mit seinem Ruhme überstrahlen werde und dass der Stern der Medicin sein Lebensschifflein nicht nur aus dem Ghetto von Padua 1) Schult, Jüdische Merck Würdigkeiten II. 403 ff. 2) Nach Tobia Cohens מעשה טוביה Vorwort zu Theil I und II.