Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
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125 Jehuda Hall6 71. diesem der Natur und der Zeit nacli voraus und sind jeder geordneten menschlichen Gemeinschaft unumgänglich nöthig. Obwol nun Israel als Mittel zur Annäherung an Gott die nicht aus der Yernunft erkennbaren, sondern nur durch die Offenbarung bekannten Gebote erhalten hat, beziehen sich die Warnungen der Propheten darauf, dass in erster Reihe die Yetnunftgebote zu üben seien (Micha 1. k, Jerem. 7, 21 ff.), weil das Yolk in seiner Sündhaftigkeit diese vernachlässigen und dennoch die Opfergesetze und andere Satzungen ausüben zu dürfen meinte. Aber die Erfüllung der Yernunftgeböte allein genügt nicht, denn ״ist es denn möglich, dass ein Israelit1) sich darauf beschränkt, ״Recht zu üben und Wohlthätigkeit zu lieben“ (Micha 1. 1.) und solche Gebote, wie Beschneidung und Sabbathruhe unbeobachtet zu lassen2). Das göttliche Gesetz bezweckt nicht asketische Beschränkung, sondern will in richtigem Gleichmaass jeder Kraft des Körpers und der Seele ihren Theil zukommen lassen. Im Allgemeinen ist unser Gesetz zwischen ״Furcht, Liebe und Freude“ getheilt3); durch eine jede dieser, die Erfüllung eines religiösen Gebotes begleitenden Empfindungen näherst du dich deinem Gotte. Denn die Selbstdemütigung nennt er noch התורות הנפשיות) אלשראיע אלנפסאניה), und als Beispiel dafür die ersten drei Gebote des Dekalogs mit Hervorhebung* des aus dem dritten Gebote sich ergebenden Glaubens an die Allwissenheit Gottes hinsichtlich aller menschlichen Handlungen. Man darf diese dritte Gruppe nicht die der »rationellen« Gebote nennen (Cassel 207); noch unrichtiger ist Hirse Ilfelds »ethische Gesetze«, da ja auch die zweite Gruppe rationell ist und die ethischen Gebote nur in dieser zweiten enthalten sind. נפסאניה bed. vielmehr »seelische« d. 11. nicht äusserlich, sondern im Geiste, in der Ueberzeugung zu erfüllende. Der Zusatz bei Ihn Tibbon והם הפילוסופיות (der im Original nicht vorhanden ist) will angefähr dasselbe sagen. 1) J. H. gebraucht absichtlich den Ausdruck ישראל) אסראילי)• weil die religiöse Qualität des Juden, nicht seine Abstammung bezeichnet werden soll. 2) 11, 48. statt יקתצר .1 (17 ,108) יקתצד♦ 3) j. H. gebraucht die hebräischen Ausdrücke אהבה, יראה und שמחה und zielt damit auf die zahlreichen Gebote des Pentateuchs, bei denen Furcht Gottes oder Liebe zu ihm oder Freude vor ihm als Grund und Zweck angegeben sind. S. die Beispiele bei Muscato, angeführt von Cassel, S. 151.