Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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66 Bachja Ibn Pakuda. liehen Genüssen bestärken und vom Streben nach Fröm■ migkeit ahlenken zu lassen1). Die biblischen Gebote. 4. Die Thora enthält Gebote, deren Gründe die Vernunft nicht zu erklären vermag, das sind die Offenbarungsgebote, ausserdem aber auch die hauptsächlichen V ernunftgebot e2). Denn das Volk, dem die Thora gegeben wurde, war in einen! solchen Zustande, dass die niederen Begierden in ihm überwogen und sein Urtheilsvermögen und seine Erkenntniss zu schwach war, um selbständig zur Erkenntniss der Vernunftgebote zu gelangen. Darum verfuhr die Thora mit beiden Arten der Gebote auf dieselbe Weise und die Empfänger der Gebote wurden zu beiden gleichmässig angehalten. Wer nun von ihnen genügend starkes Urtheils- und Begriffsvermögen hat, erkennt die Vernunftgebote auch selbständig und übernimmt sie so in doppelter Verpflichtung; wer schwach im Denken ist, übernimmt sie als Vorschriften der Thora und verhält sich zu ihnen wie zu den Offenbarungsgeboten. So befördert die Thora das Heil Aller; denn (Prov,. 3, 17) ״ihre Wege sind freundliche Wege und ihre Pfade Frieden!“3) — Die grösste, uns von Gott erwiesene Wolilthat, zugleich der stärkste .. 1-T; V.:■ Jd ־, 1■־,; ך J) Schluss der Einleitung. 2) S. oben S. 31. 3) III, 3 g. Ende (46 b). Als Erläuterung zu der Annahme, die- Empfänger der Tliora seien von überwiegender Sinnlichkeit gewesen,, darf die historische Construction in IX, 7 (124 h) betrachtet werden : Die frommen Männer der Vorzeit hatten eine lautere Vernunft und geringe Sinnlichkeit, sie folgten ihrer Vernunft und bedurften nur weniger Gebote, um ihre Gottesverehrung zu vervollkommnen. In Aegypten aber wurden die niederen Triebe des Volkes Israel stärker, ihre Sinnlichkeit (יצרם) überwog ihre Vernunft und so bedurften sie stärkerer Mittel, um sie zur Frömmigkeit hinzuleiten und gegen die Sinnlichkeit widerstandsfähig zu machen. Als solche Mittel erhielten sie eine grössere Anzahl von Offenbarungsgeboton. In sehr merkwiirdiger Weise berührt sich Baclija’s Auffassung mit der christlichen Anschauung vom pädagogischen Werthe des mosaischen Gesetzes. Besonders prägnant ist folgender Ausspruch bei Hieronymus zu Galat. 4, 24 (citirt bei Diestel, Gösch, d. A. T., S. 107)^ lex populo lascivienti ad instar paedagogi severioris apposita est.