Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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II. Salomon Ibn Gabirol. Vorbem erkling. 1. Das philosophische Werk, welches den schönen biblischen Namen ״Quelle des Lebens“ (Ps. 36, 10) trägt1), ist das einzige Erzeugniss der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters, das reine Speculation, ohne irgend welche Heranziehung der heiligen Schrift, enthält2). Freilich fehlen in ihm auch sonst alle unmittelbaren Beziehungen auf das Judenthum, so dass man es eigentlich nur seines berühmten Verfassers wegen, der erst in unseren Tagen durch Munk in seine Autorrechte wieder eingesetzt wurde, als zur jüdischen Religionsphilosophie gehörig ansehen kann, Dass Salomon Ibn Gabirol, der als der geniale Begründer der neuen hebräischen Dichtkunst in Spanien und auch als grammatischer Schriftsteller der heiligen Schrift ein gründliches Studium widmete, sie auch in den Kreis seiner philosophischen Speculation hineinzog, erfahren wir aus den wenigen exegetischen Fragmenten, welche Abraham Ibn Esra in seinem Namen anführt3). In einer besondern Schrift, die sich erhalten hat, behandelt er ein Gebiet der praktischen Philosophie, die Sittenlehre, mit durchgängiger Benützung biblischer Beweisstellen. Von seinen Dichtungen aber ist es der grosse philosophisch-religiöse Hymnus : ״die Königskrone“, zu dessen Betrachtungen in sehr sinnreicher Anwendung Bibelstellen die Pointen bilden. *) S. Munk, Melanges de Philosophie juiye et arabe. Paris 1859; J. Guttmann, Die Philosophie des Salomon ihn Gabirol. Göttingen 1889. M. Joel, Ibn Gabirol’s Bedeutung für die Geschichte der Philosophie im I. Bd. der Beiträge (Breslau 1876). 2) S. Schmiedel, Studien, S. 103. 3) S. mein: Abraham Ibn Esra als Grammatiker, S. 183; Barany J., Salomon Ibn Gabirol mint exegeta, Särospatak, 1885, p. 10—17.