Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3122061-3122080--2267-3123962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
י Der Gaon Saadja. 37 ehender, als irrig erkannter Meinungen zum Inhalte hat und oft geradezu polemische Ausführungen bietet. Die Polemik Saadja’s wendet sich ebenso gegen die Irrlehren, welche in jüdischen Kreisen aufgekommen waren, wie gegen die mit dem Judenthum auf gemeinsamem Grunde ruhenden, aber ihm feindlichen Religionen. Weil aber die Apologetik und Polemik in Saadja’s Hauptwerke ausschliesslich dazu bestimmt sind, die Glaubenssätze des Judenthums vor Missverständnissen und Trübungen zu schützen, darf es nicht auffallen, wenn sie nur auf einzelne Fragen sich beschränken, die an passender Stelle zur Erörterung gelangen. Es darf auch nicht auffallen, dass die Polemik gegen die Karäer fast gar nicht zum Vorschein kommt, während doch gerade Saadja es .war, der am nachdrücklichsten und wirksamsten das überlieferungstreue Judenthum gegen das Karäerthum vertheidigte und dieses in besonderen Schriften an griff; denn hinsichtlich der Fragen, welche in dem religionsphilosophischen Werke Saadja’s behandelt werden, gab es zwischen Karäern und Rabbaniten keinen principiellen Gegensatz, auch die Karäer gehörten zur Gesammtheit der ״Einheitsbekenner“, wie Saadja die Anhänger des jüdischen Gottes־ glaubens bezeichnet1). Gegen die Leugnung der Tradition aber, das unterscheidende Princip des Karäerthums, bildete Saadja’s ganze Methode, welche neben Vernunft--und Schriftbeweisen die der Tradition entnommenen Beweise als gleichberechtigt vorführt, auch in seinem Hauptwerke einen stillschweigenden, aber stets sich wiederholenden Protest. Der Glaube an die Tradition erscheint hier als eine der Grund- Bedingungen des ganzen Systems und brauchte gegen die Gegner desselben, die an anderem Orte bereits widerlegten, hier nicht nochmals in Schutz genommen zu werden2).!) S. oben S. 1, Anm. 2. 2j Die Erklärung, welche Kaufmann (S. •80—90) für das Fehlen der Polemik gegen die Karäer in S.’s Hauptwerke giebt, wird dadurch hinfällig, dass sie auf der von Guttmann (S. 17 und 155, Monatsschrift 1879, S. 298) bereits als unrichtig erwiesenen Annahme beruht, Saadja habe sein Werk besonders für muhammedanische Kreise bestimmt und auch Polemik gegen den Islam von ihm ferne gehalten. Uebrigens polemisirt Saadja gegen die beiden Yäter des Karäerthums, Anan und Benjamin, mit Nennung ihrer Namen. Der Erstere hatte wegen Lev. 17, 11 behauptet, die Seele wäre nichts anderes als Blut.