Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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13 Der G-aon Saadj a. im Jezira-Commentar1) folgendermaassen: Als die Propheten die Menschen über den Gottesgedanken belehren wollten, fanden sie unter den vorhandenen Ausdrücken der Sprache keine, die jenem Gedanken adaequat gewesen wären. So hatten sie nur zwei Möglichkeiten vor sich, Namen (Wörter) zu erfinden oder sie zu entlehnen. Hätten sie für jeden der zu lehrenden Begriffe von Gott neue Namen erfunden, so wären sie von den Menschen nicht verstanden worden und diese wären in TTnkenntniss verharrt. So entlehnten sie die edlen Ausdrücke, welche Adam und seine Nachkommen für die edelsten Begriffe von den geschaffenen Dingen gebildet hatten und gebrauchten dieselben für die Begriffe vom Schöpfer. Daran knüpften sie jedoch die Bedingung, dass ihre Aussagen, deren Wortlaut einen bekannten Sinn darbietet, nur als Umschreibung und Erläuterung des eigentlichen Gedankens aufzufassen seien, da für diesen selbst, für die wahre Idee Gottes kein Ausdruck vorhanden ist, weil es nichts giebt, was ihm oder seinen Handlungen gleich wäre. 9. Saadja zählt zehn biblische Anthro- Beispiele Mbl p 0 m 0 rphismen auf2), die er auf Grund passen- Anthropomorder Bibelstellen in ihrer im Sprachgebrauche bepMsmen. ruhenden metaphorischen Bedeutung erklärt. Wenn die Propheten von Gottes Haupte reden — so führt er aus י— wie in Jesaia 59, 17, verstehen sie die Erhabenheit und Würde, nach Ps. 3, 4; Gottes Auge (Deut. 11, 12) bedeutet Fürsorge (Gen. 44, 21); sein Ohr (Num. 11, 18) Erhörung (Gen. 44, 18): Mund (Exod. 17, 1) und Lippe (Ps. 89,35) bedeuten Darlegung (Num. 4, 27) und Befehl (Prov. 10,21); Antlitz (Num. 6, 25) bedeutet Gnade oder Zorn (Prov. 16, 15, I. Sam. 1, 18); Hand (Exod. 9, 3) bed. Macht (II. Kön. 19, 26); Herz (Gen. 8, 21) bed. Weisheit (Prov. 7, 7); Eingeweide (Jer. 31, 20) bed. Zärtlichkeit, Wohlwollen (Ps. 40, 9); Fuss (Ps. 99, 5) bed. Uebermacht, Sieg (Ps. 110, 1). Dieselben oder ähnliche Ausdrücke werden in ihrer übertragenen Bedeutung nicht nur, wie in den citirten Beispielen, vom Menschen, sondern auch bei leblosen Gegenständen an-!) Einl. p. 7, franz. Uebers. p. 21. 2) II 96—98 (50 f.).