Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 204)
- Language
- German
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201 Neben den Frankel, die zu so herrschender Stellung in der baierisehen Judenschaft sich erhoben hatten, lockte auch der Ruf des alten Freundes aus dem Wiener Ghetto, Johann Christoph Wagenseils in Altorf, Exulanten in die baierisehen Lande. So hatte Menacliem Sondel seine Familie in Prag zurückgelassen und 1673 zur Wanderung nach Fürth sich aufgemacht, wo er von dem Einflusse seines grossen Schülers eine Verbesserung seiner Lage erhoffte. In der That verwendete sich Wagenseil selber in einem trefflichen hebräischen Briefe bei seinen Fürther Freunden, dem Rabbiner R. Meir Tarnopoler und R. Henoch Frankel, für seinen alten, allezeit bedürftigen Lehrer, der ihm jetzt wieder wie einst zu Wien hebräische Handschriften. Münzen und geschnittene Steine mitbrachte 1). Zur selben Zeit, da Sondel Bedenken trug. Wagenseil in Altorf aufzusuchen, hielt dieser bei sich als seinen rabbinischen Lehrer einen andern Wiener Exulanten, Bär Eibenschütz, nach der Familie seiner Frau Perlhefter genannt. Während Perlhefter in Wagenseils Hause herrliche Tage verlebte, blieb seine Frau Isabella mit ihrem Töchterchen in Schnaittach, von wo sie mit dem Altorfer Gönner einen hebräischen Briefwechsel unterhielt. Aus einer vornehmen Prager Familie entsprossen, vereinigte sie gelehrte Kenntnisse mit den freien Künsten, denen sie einen Ruf nach Altorf verdankte, wo sie Wagenseils Tochter im Tanz und Zitterspiel unterrichten sollte 2). Doch dauerte diese enge Verbindüng des gelehrten Ehepaares mit dem Altorfer Professor nicht lange, da Perlhefter einem Rufe der Gemeinde Modena als Rabbiner folgte. An Beziehungen zu Italien hatte es ihm nicht gefehlt. Schon sein Vater Jehuda Lob b. Mose war in Mantua Rabbiner gewesen 3). Aber nach kaum 6 Jähre langer Wirksamkeit verliess R. Bär Modena. Wohl mag auch der Umstand ihn fortgedrängt בספר צמה דוד. Dieser Bericht ist sowohl Haenle 84 als Zunz ADB 7, 268 und •Grätz X, 802 n. 8 entgangen. נ) Epistolar Nr. 31. 42. B. Meir Tarnopoler, von dem sich im Epistolar Nr. 69 ein hebräischer Brief an'Wagenseil erhalten hat, nennt dieser Sota 1168 : R. Meir, Eürthensis ,Apy 1 <3uvdךorfoq. senex viridis animo ac candens, & eqm corpusculo suo colluetans. a) Epistolar Nr. 9. 3) Ib. N1*. 11. Mose P. war Notar der Gemeinde in Wien: sein Sohn Abraham st. 1657 in Prag (S. Hock).