Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 171)
- Language
- German
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168 Regierung berichten: »der Fürst von Dietrichstein hatt 80 pahr Juden, vndt zwarn der reichisten vff Niclaussburg in Mähren vffgenohmen, darunter etliche seind, so zu ך~- vnd mehr taussent gülden vermögen«. In der That finden wir einen Theil des Yor- Standes und Rabbinates sowie Vertreter der besten und angesehensten jüdischen Familien Wiens unter den Schutzjuden des Ghetto’s von Nikolsburg. Aber nicht nur aus der Hauptstadt, sondem auch vom ganzen Lande unter der Enns strömten bald die Vertriebenen in diese vornehmste mährische Gemeinde an der Schwelle Nieder Österreichs. Das fürstliche Rentamt hatte über die Einzahlung der Niederlassungs- oder Abzugsgelder, die in Beträgen von 1 bis 40 Reichsthalern eingehoben wurden, und der Schutzgelder, die sich auf etwa 1 bis 4 Reichsthaler jährlich beliefen, Consignationen x) unter namentlicher Anführung der einzelnen Schutzjuden anzulegen. Nikolsburg Avar schon als Sitz des Landesrabbinates der Vorort der mährischen Judenschaft. 1674 Avird die Zahl der Judenhäuser bereits auf 152 angegeben2). An einer der wichtigsten Reichsstrassen gelegen, in der Nähe von Wien und Brünn, erfreute sich Stadt und Gemeinde eines blühenden Handels. Das Speditionsgeschäft3), der Verschleiss der mährischen Tuche4) war hier vorwiegend in jüdischen Händen. Mit der Entfaltung des Wohlstandes gieng die Bereicherung und Vertiefung des religiösen und geistigen Lebens Hand in Hand. Der Ruf der Gemeinde, der in ihr heimisehen jüdischen Gelehrsamkeit und Wohlthätigkeit drang in die fernsten Gegenden; ihr Lob verkünden Zeugnisse der spruchbefugtesten Männer, die dauernd oder vorübergehend sich in ihr auf- ג) So sind in der Consignation von 1675 fünfzig Wiener und niederösterreicliische Exulanten mit ihren Abgaben angeführt. 2) Jedes Haus hatte der Herrschaft einen Dukaten 2 fl. 20 x. und ein Putschandel, d. i. einen mährischen Pfennig 2/3 x., jeder Inwohner׳ aber 1/2 fl. mährisch 35 x. jährlich zu entrichten. Vgl. ScJmdt IV, 1. 215. 3) צמה צדק bga. 35. 4) Hoch die Haugwitz-Procop’sclie Belation über den Handel in Polen und Ungarn ed. Fonrnier im Archiv für Kunde öst. Geschichts-Quellen 69(1887), 389 zeigt die grossen jüdischen Handlungshäuser in Ofen 1756 in Verbindung mit Nikolsburg.