Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 162)
- Language
- German
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159 dom durch Decrete von der kaiserlichen Resolution zu verständigen und auf die Erlegung der Toleranzgelder his zum letzten Dezember zu dringen, da der Ausstand sonst mit schärferer Exeeution eingetrieben und die Säumigen noch vor der Zeit fortgeschafft werden sollten. Umsonst waren die Gegenvorstellungen der Stände, die Klagen der ihre Schädigung erkennenden Bevölkerung; im Bannkreise des Kaisers und im Erblande seiner Hauptstadt sollte es acht Tage nach Ostern 1671 keine Juden geben1). Aber auch die Nachbarn sollten in die Katastrophe hineingerissen werden; die Vertreibung der Juden erstreckte sich auch auf Eisenstadt und die angrenzenden ungarischen Gemeinden, die auf dem Gebiete lagen, dessen Besitz so lange eine Streitfrage zwischen Österreich und Ungarn gebildet hat 2). Jetzt musste das zurückgehaltene Glück in Stadt und Land aus der Erde quillen, vom Himmel stürzen; wenn Wien kein Eldorado, Niederösterreich nicht Arkadien wurde, dann logen die Propheten des Judenhasses, dann waren die Vertriebenen am Ende doch nicht die Seligkeitsstörer und Unheilbringer, als die man sie verschwärzte. Der Kaiser hätte jetzt gern das ganze Füllhorn seiner Gnaden über den untern Wörth ausgeschüttet. Am 15. Oktober 1670 verlieh er bereits der Leopoldstadt, wie man das Ghetto schon zu nennen anfieng, alle Hechte auf Jahr-, Wochen-, Häfen-, Tandel- und Bossmärkte 3), um nur das Gedeihen und den Flor dieses Bezirkes zu heben. Bald erhöhten auch Befestigungen die Sicherheit der vormals offen daliegenden Vorstadt4). Am 9. Januar 1673 erhielt auch die Stadt den kaiserlichen Kaufbrief, um den sie angesucht hatte; das ganze Judenquartier mitsammt dem SchmicFschen Grunde ward ihr damit ins Eigenthum übergeben; der Name Leo- ב( Na cli der Depesche des Wiener!Residenten der General-Staaten, Jak oh Hamei Brnynincae vom 12. März 1671 im Beichsarchiv zu Haag. 2) Nach d£n Grabschriften des alten Berliner jüdischen Friedhofes; vgl. הלק שמעון (Prag 1687). Ygl. über diese Grenzschwankungen Nagy, Szäzadok. Y, 369 ff., 449 ff. 3) Archiv des k. k. Ministerium des Innern, wo auch das Gesuch der Stadt und der kais. Kaufbrief vom 9. Januar 1673 in Abschrift erhalten ist. t) Bereits am 17. August 1670 meldet der päpstliche Nuntius nach!Rom. (Vatic. Archiv, Nunziatura di Germania tomo 187), dass man mit der Absicht umgehe, die Inselstadt, welche die Juden bewohnten, zu befestigen. In ihrem Gesuche um den kais. Kaufbrief spricht auch die Stadt von »dem befestigendten unterem Wörth«,