Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 161)
- Language
- German
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158 Das Entsetzen, das sich bei den Schreckensbotschaften aus der Hauptstadt der Judenschaft im ganzen Lande unter der Enns bemächtigt hatte, war begründet. Was sollte aus ihnen werden, die noch immer keine Bestätigung ihrer Privilegien zu erlangen vermocht hatten, wenn ihre Wiener Brüder, die im stolzen Besitze des kaiserlichen Schutz-Versprechens sich so sicher dünkten, schonungslos davongejagt wurden. Was konnte es ihnen helfen, dass sie den Ständen sich unentbehrlich gemacht hatten* mit der Bevölkerung innig verwachsen waren? Die einzige Grösse der kleinen Massregel, der Starrsinn der Consequenz, durfte ihr nicht genommen werden; die kaiserliche Resolution sollte auch für das Land durchgeführt werden. So ergieng denn am 18. September an die niederösterreichische Landesregierung vom Kaiser die Weisung, den landesfürstlichen Städten und Märkten, sowie den 59 kleineren Ortschäften, deren Juden ihre Toleranzgelder in das Vicedomamt ahführen, gemessen aufzutragen, dass bis zum 15. November 1670 kein Jude in Österreich unter der Enns sich blicken lasse 1). Am 19. September wurde die kaiserliche Entschliessung bereits in Wiener-Neustadt, der alten Versuchsstation für Judenverfolgungen, verkündet 2 3). Eine Liste der Dörfer in den Vierteln Ober- und Unter- Mannhardtsberg, OberundUnter-Wienerwald, sowie der zur Ausweisung verurtheilten Juden lag dem Befehle bei. Die Toleranzgelder sollten bis dahin eingezahlt, alle Schulden beglichen sein. Die Eorderung war unerfüllbar; der Zeitraum war zu kurz. Da liess der Kaiser am 15. Oktober von dem Bittgesuche der Judenschaft so weit wenigstens sich erweichen, dass er in der harten Winterszeit sie noch im Lande dulden wollte und den Termin des Auszugs bis Ostern 1671 erstreckte. Doch wieder hatte man ihn Unmögliches fordern lassen: bis Ende Oktober sollten die bis zum nächsten Ostern fälligen Toleranzgelder abgeführt sein, während bis dahin kaum die Verständigung hiervon in die entfernten Winkel des Landes dringen konnte. So musste denn die niederösterreichische Landesregierung am 29. November nochmals angewiesen werden8), alle von Juden bewohnten Ortschaften im Lande sowie den Vice- ScJiudt M. Man Amelander שאיית ישראל c. 32 (ed2. Amsterdam f. 124*9; S. Gr. Wolf 42. ב) Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. 2) Böheim II, 87. 3) Archiv des k. k. Ministeriums des Innern.