Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 153)
- Language
- German
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150 men Spenden, die ihre Eltern für ■ihrer Seele Seligkeit gestiftet hatten, mit denen sie ein Andenken in der Gemeinde sich zu sichern wähnten, zertrümmert, zerstört, im besten Falle versteigert wurden. Erloschen war der Glanz, mit dem die Opferwilligkeit der Reichen, der Stolz der Gemeinde ihr schönstes Gotteshaus zu schmücken beeifert gewesen, die Zerstörung war hereingebrochen über das Heiligste; sie mit eigener Hand fördern zu helfen, musste noch als gutes Werk gelten. Die Thorarollen und ihr Schmuck, die Vorhänge an der Lade, die kostbaren Goldstickereien, in denen frommer Wetteifer sich zu überbieten gesucht hatte, die Hängelampen und die Leuchter wurden ausgeboten und von den Vermögenden als theuere Erinnerungen an die zerstörte Herrlichkeit angekauft. Thränenden Auges wurde der Erlös unter die Armen vertheilt, die wenigstens einen Zehrpfennig für die Fremde retten sollten aus dem, was einst Allen gehörte. Alles, was übrig geblieben war, wanderte mit dem hölzernen Hausrath, mit Stühlen und Ständern, in die Flammen 1). Neben der neuen grossen Synagoge waren es noch zwei G otteshäuser, durch welche die Gemeinde für die öffentliche Andacht sorgte. Auch diese galt es zu räumen, ehe sie in die Hände ihrer noch unbekannten Bestimmung fielen. Die hebräischen Inschriften, Bibelverse und Widmungen, wie sie nach dem Brauche der Zeit die Wände und Wölbungen entlang liefen, wurden übertüncht und auf diese Weise verlöscht. Die Zehngebote über der Lade, das Gestühle, aller Schmuck und alles Hausgeräth wurden entfernt; nur die kahlen Mauern starrten dem entgegen, was mit ihnen geschehen sollte. Die jüdische Gemeinde Wien hatte aufgehört zu bestehen, ihre Bücher, ihre Akten, die so heiss erstrittenen, theuer bezahlten Privilegien wurden zerstreut, wenn nicht gar verbrannt. Das Gemeindeleben mit seinen Herkommen, seinen synagogalen Bräuchen, der Ritus von Wien, war ausgelöscht für ewig 2). Das Band war zerrissen, das sie umschlossen hatte, es gab keine gemeinsamen Erinnerungen mehr, kein öffentliches G edächtniss, die Geschichte ihrer נ) Nacli der Fortsetzung des צמה דוד zum Jalire 1670. 2) Die Continuität der Gemeinde mit Beeilt läugnend, sagt Jakob Beischer מ8 46 הק יעקב von dem Wien nach der Vertreibung: כיון שנתבטל הקהל נתבטל ההנהג.