Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 152)
- Language
- German
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sehen Gottesacker in der■ Eossau bewohnt und den freien Platz zur Bleiche benützen dürfen.. Dieses Becht sollte auch dem Sohne und den Erben verbleiben ל(ג die dafür die Sorge für den Friedhof, das Häuschen und die Umfriedigung übernehmen, damit Nichts daran zerstört oder veräussert werde. Nicht die gleiche Fürsorge konnte für die Gotteshäuser der Gemeinde getroffen werden. Sie waren allesammt mit dem Ghetto in das Eigentlium der Stadt übergegangen; die Commission hatte sie ihr bereits zugesprochen, die Zustimmung des Kaisers konnte nicht ausbleiben. Wie rücksichtslose Erben noch unter den Äugen des hinscheidenden Besitzers an seinem Gute habgierig sich vergreifen, so legten Stadt und Bischof von Wien auf die neue Synagoge der Juden noch in deren Anwesenheit ihre Hand. Unter den Begünstigungen, die der Magistrat bei Übernahme der Judenstadt vom Kaiser erbat, war auch die, aus diesem Gotteshause eine Kirche machen zu dürfen, die mit Weltgeistlichen, da bereis zwei Kloster die Vorstadt belästigen, von der Stadt als dem Patronatsherrn zu besetzen sei 2). Die gleiche Gnade erbat auch Wilderich Freiherr von Walterdorf, seit dem 29. September 1669 Bischof von Wien. Die J uden wussten es, dass am ersten Tage nach ihrem Auszug, am 25. Juli, die Kirchenweihe erfolgen sollte. Es war ihnen nicht einmal vergönnt, bis zu Ende ihre Andacht darin zu verriehten. Die Aufregung eines förmlichen Abschiedes ersparten ihnen die Schergen der spanischen Botschaft, die in ihrer ungeduldigen Bohheit während des Gottesdienstes in die Synagoge einbrachen und den Juden schwere Ungelegenheiten bereiteten3). Im Herzen verwundet, verzweifelt, das Heiligste ausliefern zu müssen, einen theuern Freund gleichsam ohnmächtig verlassen und preisgeben zu sollen, giengen sie entschlossen daran, was nicht niet- und nagelfest war, wenigstens zu räumen, die beweglichen Heiligthiimer nicht verfremden zu lassen. Kinder mussten es mit ansehen, wie die from- 9 Der Vertrag mit Balthasar Osterhammer, den alle drei Söhne Frankls mit Unterschrift und Siegel fertigen, datirt vom 18. Dezember 1672 und ist zu Fürth bei Nürnberg ausgestellt (Archiv der Stadt Wien s. s. 1672נ/ז). 2) Ebenso wie das Gesuch des Bischofs undatirt, aber aus dem Juli 1670 stammend im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. 8) Nach den Depeschen von Gebsattels vom 17. und 24. Juli 1670, auf denen auch die folgende Darstellung ruht.