Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 150)
- Language
- German
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147 Juden knapp vor der Auflösung des Ghettos noch einmal hei scharfer Beleuchtung hineinsehen lassen 1 2j: »ituTt3 bor beut 3(6;ug Bat muh ein SSornefymer $ub jum ■äJHttagma(;( etngelaben / er tjatte unlängfter ,Qeit eine fcfjöne junge äßittib geljeuratl; / barbet; fidj feine jmeett mann־ baf;re <3ö£;n mit i(;ren jungen SBeibern / meldje hon?Prag gebürtig / gteidjfafö eittgefunben. 3dj fagte: §eunt muffen mir ttng Ie|en / ober bon einanber ba§ Urlaub nernmen / mer metfs mann mir mibevumb jufammenfommen. darauf anfiengen bemelte brel; SBeiber bitterlich unb bermaffen ju mei־ nen / bafe mir auct; / jmar miber meinen SBilien / aus natürlichem 3Äit־ leiben / bie Stugentf;ränen tterab lieffen. tröftete fie / fo biet ich tonte: SBottet ihr attf;ie bet; ttnS (fagte icf; meiter) unb beb ben euer{־ gen ju berbfeiben / fo begebt euch *n bie heilfambe Schoß ber Shriften־ heit / unb taffet eud; tauffen / ba tonnet ihr ruhig fdjtaffen. Slnt־ mort mar aber: Sie molten fidh ehenber lieber lebenbig berbvennen laffen / atS ein 91abelff>i(j bon ihren ©tauben meinen. - Set; bebadjte bet; mir / biefe berbambte Teufels 3)iartt;rer bethat־ reit in ihrer SBofiljeit unb igartnecfigfeit biß über bie Dfuen / ict; motte ef;enber einen Sflohrett meifj machen unb haben / alß bergteicf;erx Si'ibi־ fd;e» ©efdjmeiß bon ihrem 3rrtt;um faubern unb reinigen«. Aber diese Glaubenstreue und seelische Festigkeit, die sonst jede Schickung erträglicher macht, verbitterte und vertiefte hier noch die Schmerzen der Trennung, da es den Abschied von den Heiligthümern des jüdischen Gemeindelebens galt, den Abschied vom Friedhof und den Gotteshäusern. In dem Briefe nach Venedig hatten sie darauf hingewiesen, dass sie nur entschlossen seien, den ferneren Aufenthalt in Wien um jedes Opfer zu erkaufen, um ferner über die Grabesruhe ihrer Todten wachen, die Bet- und Lehrhäuser, deren es bei ihnen so viele gab, auch weiter erhalten zu können. Jetzt sollte der Gottesacker veröden und verfallen, dem Frevelmuthe der Feinde überlassen bleiben 3). Man vergass sich י) A. a. 0. 3, 324. 2) Die Gefalir, die jüdischen Friedhöfen damals drohte, kennzeichnet die Antwort der Wormser, die auf die Drage ihrer Bürgermeister, warum sie am Karfreitag den 7. April 1615 die jüdischen Grabsteine umstürzten, erwiederten: »diergantze Ehrliebende Burger schafft hab solches zuthun befohlen, sintemahl es kein Christlicher Kirchhoff, sondern ein Blutacker, so sind die Menschen, die darunter liegen nicht werth, dass sie solche stattliche und ewige Gedächtnuss 10*