Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 149)
- Language
- German
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nisse des Lebens und des Handels. Aber auch in die höchsten Kreise der Gesellschaft reichten, vornehmlich durch die Hofjuden, ihre Verbindungen. Es war nichts Unerhörtes, Officiere und hohe Beamte in jüdischen Häusern zahlreich verkehren zu sehen. Als Edward Brown, der Leibarzt König Karl II. und Abgesandte der medicinischen Gesellschaft in London, der in Wien durch seinen Freund Lambecius auch beim Kaiser die auszeichnendste Aufnähme erfuhr, bei einem Juden daselbst eingeladen war, traf er an der Mittagstafel auch einen Officier 1). Es fehlte nicht an Männern und Frauen, die eines gefälligen und reinen Ausdrucks in der Landessprache gar wohl fähig waren. Was an Bildung erreichbar war, das liess man freudig den Kindern zuführen. Da aber die tieferen Bildungsquellen der Heimath den Juden verschlossen waren, hatte Leo Winkler seine Söhne auf die Hochschule von Padua geschickt, wo auch er seine ärztliche Ausbildung genossen hatte und am 22. März 1629 zum Doktor promovirt worden war. In dem Unglücksjahre 1669, da man daheim sie vogelfrei erklärte, wurden Jakob Winkler am 27. Februar, Isak Winkler am 13. Dezember von den Fakultäten der Philosophie und Medicin zu Doktoren der Universität Padua promovirt 2). Die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Christen und Juden hatten selbst durch die Ausweisungsresolution sich nicht gelöst. Bis zum letzten Augenblicke erhielten jüdische Häuser die Besuche christlicher, freilich auch falscher, schmarotzender Freunde. Als einen solchen hat sich auch Matthias Abele gebrandmarkt, des geheimen Hofsecretärs Christoph Abele Bruder, der mit gar unordeutlicher Kunst seine künstliche Unordnung zusammenklitterte, nicht ohne des Kaisers und seines Kanzlers Hoclier Wohlgefallen zu erregen. Er hat uns in diesen Verkehr zwischen Christen und J) A. a. 0. 268: »ba id) unter anberit Sieben ben 3'uten fragte nach beit gehn Stämmen / unb Um biefetben träten? Welcher mir gut Stnttoort gab: Sie hieb ten fid) auf fehr toeit ht Elften / jenfeit eines groffen SJteereS / auf toeldjent Sli^tS / alS Sturm unb ttngemittet toärc / unb tretc^eS mit genauer ■Jloth Befahren merben tönte an ihrem Sabbath־£age / an toeldjem aber fte guben nicht gerne ettraS bornehmen«. 2) Nach den Protokollen der Universität Padua 1665—72, die Herr Babb. Prof. Eude Lolli für mich durchforscht hat. Ein hebräisches Gedicht auf die Promotion Jakob Winklers sah M. Soave s. Vessillo Israelitieo 1874 p. 189.