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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 148

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 148)
Language
German
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IRI
…/3122061-3122082--1623-3123799
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Ausweisimgstermin von Neuem hinauszuschieben. Anfangs Juliג) wusste man im Ghetto, dass die Zeit des Höffens vorüber sei, dass man nicht länger verlangend den Antworten und Zusagen entgegenzusehen brauche, die von den Schwestergemeinden erwartet wurden. Das Yerhängniss war da, die Versuche es abzuwenden hatten ein Ende. Wie aus einem Traume erwachend, sah man sich vor die furchtbare Nothwendigkeit gestellt, die atliembeklemmend jetzt um so näher schien, je mehr man die beste Zeit verträumt und verhofft hatte. Der Sorge um die Häuser war man ledig, es galt, des übrigen hinderlichen Besitzes sich zu entledigen. Hausrath, Waareu, die nicht mitgeschleppt werden konnten, mussten verschleudert, dem Erstbietenden hingegeben werden um jeden Preis; es war ein sichtbares Hinschwinden aller Güter, eine Verarmung von Tag zu Tage. Aber den Jammer der Gegenwart verschärften noch die Bilder der Zukunft. Es war ein böses Jahr. Am Himmel geschahen Wunder und Zeichen, der Lauf der Natur war wie verändert. Ein Komet war erschienen, unheilverkündend und Schrecken verbreitend. Die Ströme traten aus ihren Ufern und warfen zügellos ihre Brücken ab wie ein unwillig getragenes Joch2). Jede Nachricht von den Wetterschäden draussen gieng den Unglücklichen durchs Herz. Sie sahen sich schon auf dem freien Felde, mit Kindern und Kranken den Unbilden der Wanderung, dem Zorn der Elemente preisgegeben. Sie lernten begreifen, was geschrieben steht, dass wir unser Leben in der Ferne können schweben sehen. Und jetzt galt es, eine Wurzel nach der anderen herauszuziehen aus dem altgewohnten Erdreich, mit eigener Hand aus dem geliebten Boden sich zu reissen, die Beziehungen durchzuschneiden, die man Jahre lang mit dieser Umgebung unterhalten hatte. Denn man hatte im Ghetto auch jetzt noch Freunde unter der christlichen Bevölkerung. Jeder Einzelne hatte gar manchen Christen, der ihn nur ungern ziehen sah. Der Verkehr zwischen Christen und Juden war geschäftlich wie gesellschaftlich in Wien mehr als anderswo lebhaft entwickelt. Die Armen hatten an den Juden im Ghetto ihre regelmässigen und unermüdlichen Wohlthäter. Handwerker und Kaufleute verflochten mit ihnen die Bediirf- J) Nach der Depesche des schwedischen Ministerresidenten vom 10. Juli. ») 1b. צמה דוד Fortsetzung* zum J. 1670; von Grebsattels Depesclie vom 27. Februar 1670. Kaufmann: die letzte Vertreibung*. 10

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