Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 147

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 147)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3122061-3122082--1622-3123798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

144 ehe sie dieselben räumen mussten. Wie kein Ziegel derselben ihr Eigen bleiben sollte, so erhielt Keiner unter ihnen einen Schimmer von den Summen zurück, die sie hineingebaut hatten. Man zertrümmerte ihre Gemeinde und forderte von den Einzelnen, dass sie zum Abschied für diese Gemeinde sich aufopfern und verarmen. Aber es war nicht genug daran, dass Jedem sein Haus wie Luft unter der Hand zerrinne, es blieben noch Privat-Eorderungen zu befriedigen, für die keine Deckung vorhanden war. Der Schuldenarrest, von dem man reichlich Gebrauch machte x), war ein lächerliches Mittel gegen Arme, deren Ausweisung noch dazu vor der Thüre stand. Aber es sollte durch die Vertreibung der Juden Niemand als sie selber geschädigt werden. Wie sie alle miteinander für die Gemeindeschulden aufkamen, so wollte man ihnen noch die Haftung für jeden Einzelnen auferlegen. Dieser Noth machten Isak, Israel und Enoch, die Söhne des eben verstorbenen Koppel Eränkl, ein Ende * 2), indem sie nach Befriedigung aller an ihr grosses Vermögen gestellten Ansprüche auch noch zwanzigtausend Gulden und ein gar kostbares Pfandobject zur Deckung aller noch aushaftenden jüdischen Privatschulden zu Händen der Commission übergaben. Vom Fürsten Gregorius Zeika, dem vertriebenen Woi- ׳ woden der Moldau nemlich, der am 12. März 1665 nach Wien gekommen war, um die Intervention des Kaisers bei der Pforte anzurufen3)., durften die moldauischen Kronjuwelen und Kleinodien als Pfand in den Besitz Koppel Fränkls gekommen sein. Diese übergaben jetzt zugleich mit dem Schuldbrief des Wojwoden Fränkls. Söhne der Commission. Wiewohl nun zu einer wirklichen Ordnung des Schuldenwesens noch so gut wie Alles fehlte, so war doch im Princip wenigstens Alles geordnet, die Gläubiger hatten allerdings noch keinerlei Zahlung gesehen, schienen der Commission aber hinreichend gedeckt, genug, es lag im Gesichtskreise des Kaisers kein christliches Interesse mehr, das durch den Auszug der Juden gefährdet galt. So war denn kein Grund vorhanden, sie länger zu dulden, ihren ג) Nach dem Berichte des preussisclien Residenten vom 23* Juli/2. August. 2) Nacli der den Söhnen Fränkls vom Kaiser wie von der Commission ansgestellten Erklärung vom 31. Juli im Archiv des k. k. Ministeriums des. Innern. S. G-. Wolf 53 f. 3) Vehse 11, 86.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.