Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 140)
- Language
- German
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137 Aber man sorgte zugleich dafür, dass den Juden dieser Aufschub nicht als blosse Gralgenfrist, sondern als ein zu dem Zwecke gewährter Zeitraum erschien, um darin die völlige Zurücknahme der ursprünglichen kaiserlichen Entschliessung vorzubereiten. Es war dies auch keine etwa auf Täuschung der Hoffenden berechnete ־Vorspiegelung, man scheint vielmehr wirklich bei Hofe geglaubt zu haben, dass es möglich sein werde, den Kaiser zu dauernder Gnade zu bewegen. Aber die Spannung, in der die Gemüther im Ghetto durch diese zugeflüsterten Versprechungen und halben Zusagen erhalten wurden, war aufreibend. Am Traurigsten war die Lage der Besitzenden. Die fahrenden Leute mit dem leichten Gepäck suchte Niemand zürückzuhalten; wenn sie den Ort erspäht hatten, an dem sie ihr Nest in der Fremde bauen konnten, zogen sie fort, nicht getheilt zwischen Wandern und Bleiben wie ihre Brüder, die armen Beichen. Diese schwebten, heimathlos und doch zurückgehalten, zwischen Furcht und Hoffnung wie auf die Folter gespannt, in der Gefahr, mit dem Vaterland die Fremde zu verlieren, da sie die beste Zeit, auswärts sich anzusiedeln, verträumen und versäumen mussten. Sie hätten am Liebsten die Bürde neuer Verpflichtungen, die man ihnen aufladen wollte, von sich geworfen und den Wanderstab ergriffen mit den Übrigen. Aber von oben her zum Standhaiten und Ausharren angetrieben, von Würdenträgern des Beiches ermahnt, einen Posten nicht zu verlassen, der für die ganze Judenheit von solcher Bedeutung war, das Bettungswerk nicht kurz vor seinem vollen Erfolge schnöde aufzugeben, Hessen sie von Neuem zu den unerfüllbaren Versprechungen sich hinreissen, die man von ihnen forderte, den Wahn der Feinde durch die eigene Bethörung noch verstärkend. In dem unausrottbaren Vorurtheil von den nicht zu erschöpfenden jüdischen Beichtkümern und von dem solidarischen Zusammenhalt aller Juden auf dem Erdenrund hatte man die Forroga di due mesi ottenero gli Hebrei. Interpongono efficacissime premure, per essere gratiati con nuova permanenza. Offeriranno considerabili summe per incamminare le suppliche con pin fondate speranze. Am 15. Mai weiss der schwedis che!Resident von dem Aufschub noch Nichts, meldet aber: »Sie erbiethen sich zue gelt, vnnd allerhandt Eriegsnotli Wendigkeiten wieder den Erbfeind!, haben auch viel grandes bereit Emgenommen undt grosse intereessiones ausgewürcket«. Das Wochenfest als Datum der den Juden bekannt gewordenen kaiserlichen!Resolution überliefert ihr Brief nach Yenedig.