Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 141)
- Language
- German
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138 derungen ins Masslose gesteigert, nach den sofort an den Kaiser zu zahlenden Hunderttausend, nicht mehr Gulden, sondern Reichsthalern eine Leistung von weiteren Hunderttausend beansprucht und für sich selber »Verehrungen« bedungen, die rund auf ein drittes Hunderttausend Reichsthaler sich beliefen. Vergebens wiesen sie auf ihre Hülflosigkeit, man gab ihnen den Rath, von Gemeinde zu Gemeinde den Hülferuf dringen zu lassen, die eigene Sache als eine jüdische von allgemeinster Bedeutung hinzustellen. Diese Dar- Stellung ihrer Lage ist unzweifelhaft verbürgt durch das von keiner Rücksicht beirrte, bis auf den Grund -durchsichtige hebräische Schreiben, das sie am 8. Juni, dem Drängen der Machthaber nachgebend, an die vereinigten vier sefardischen Gemeinden von Venedig richteten 1). In diesem Briefe, in dem Nichts als der in überraschenden Wendungen und biblischen Anspielungen wie in Facetten schillernde Stil auf den Geschmack der Empfänger berechnet ist, bitten sie vor Allem dafür um Entschuldigung, dass sie in ihrer Noth und Verwirrung die Nachricht von dem erwirkten Aufschub auf zwei Monate nicht sofort der so theilnahmsvollen Gemeinde Venedig mitgetheilt haben. Zaghaft und schüchtern tragen sie dann die ihnen von Seiten der österreichischen Staatsmänner gestellten Bedingungen und ertheilten Rathschläge vor. In ihrem eigenen Namen wagen sie nur auf die Gottes- und Lehrhäuser, die es vor Entheiligung, und auf die Gräber hinzuweisen, die es vor Schändung zu bewahren gilt. Es muss eine bedeutende Summe sein, mit der man ihnen zu Hülfe kommen solle, sei es als Geschenk oder al& Darlehen, das sie zurückzuzahlen versprechen, sobald sie erst wieder zu Kräften gekommen sein würden. Sie selber vermöchten kaum die Hälfte der vor Allem geforderten ersten Rate an den Kaiser aufzubringen. Würdig, ohne Winseln, des Bittens ungewohnt, unter dem Drucke der über sie verhängten Noth wendigkeit,. aber ohne Unterwürfigkeit treten sie vor ihre glücklicheren Brüder hin. ג) Die Einsicht in das Original dieses Briefes, den zuerst Mose Soave in italienischer Übersetzung im Yessillo israelitico 1876 p. 147 u. 189 mitgetheilt hat, verdanke ich dem jetzigen Besitzer, meinem Freunde Dr. A. Berliner, der auch einen Abdruck davon in der nach kurzem Bestände eingegangenen Wochenschrift המדבר Nr. 7 veranstaltet hat.